#btw21: Klimapolitik für mehr Innovationen

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Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau steht dafür, aus Megatrends ökonomische Chancen zu machen, vor allem auch beim Klimaschutz. Dazu gehören die Kreislaufwirtschaft, die Verfügbarkeit Erneuerbarer Energien, der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft sowie die Transformation in der Mobilität. Schon heute stehen die technischen Lösungen bereit, um Treibhausgasemissionen signifikant zu verringern.

Reform der Abgaben und Umlagen

Bei den Energiekosten brauchen wir einen technologieoffenen und über die Grenzen der Sektoren und Energieträger hinwegreichenden politischen Regulierungsrahmen. Das bisherige System der Finanzierung und Besteuerung führt zu völlig unterschiedlichen Belastungen, die weitgehend unabhängig von den Klimaauswirkungen der Energieträger sind. Erforderlich ist eine umfassende Reform der energiebezogenen Steuern, Abgaben und Umlagen der Energieträger nach ihrer Treibhausgasintensität pro Energiegehalt. Erst dann kann eine CO2-Bepreisung ihre Lenkungswirkung voll entfalten.

Emissionsminderungen global handeln

Das Pariser Klimaschutzabkommen verfolgt das Ziel, den Anstieg der globalen Erderwärmung auf möglichst 1,5°C zu begrenzen. Aus Sicht des Maschinen- und Anlagenbaus ist das ehrgeizig, aber nicht unmöglich. Es lässt sich aber nur realisieren, wenn auch in weniger wohlhabende Volkswirtschaften investiert und eine globale Handelsmöglichkeit mit Emissionsminderungen etabliert wird. Das Abkommen sieht entsprechende Mechanismen vor, die jedoch noch nicht ausverhandelt sind. Deutschland muss sich daher bei der Klimakonferenz in Glasgow dafür einsetzen, hier eine Einigung zu erreichen. Zwischenziele auf dem Minderungspfad zur Klimaneutralität 2050 sollten dann sowohl aus einem Mindestanteil heimischer Minderung als auch aus einem optional international zu erreichenden Beitrag bestehen.

Verfügbarkeit Erneuerbare Energien

Die Verfügbarkeit kostengünstiger klimaneutraler Energie wird mit den ambitionierten gesellschaftlichen und unternehmensindividuellen Klimazielen zu einem entscheidenden Standortfaktor. Für den verstärkten Ausbau der Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien und die Umwandlung in klimaneutrale Gase bzw. flüssige Energieträger müssen mehr Flächen ausgewiesen sowie Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Ein weiterer wichtiger Baustein ist das Repowering von Altanlagen, um die vorhandenen, aber begrenzten Flächen effizienter zu nutzen. Gleichzeitig müssen Partnerschaften mit Ländern ausgebaut werden, die günstigere Erzeugungsmöglichkeiten haben.

Wussten Sie, dass sich die Treibhausgas-Emissionen durch die Produkte des Maschinen- und Anlagenbaus weltweit um bis zu 86% senken lassen? Dies zeigt eine gemeinsame Studie von VDMA und BCG.

Wasserstoffwirtschaft aufbauen

Wasserstoff spielt bei der Emissionsminderung der Industrie und beim Wandel der Antriebstechnologien eine entscheidende Rolle. Mit der Herstellung von Wasserstoff sowie davon abgeleiteten Kraft- und Brennstoffen (Power-to-X) wird es möglich sein, grüne Technologien mit positiven Umweltaspekten zu verknüpfen. Dies z.B. in der Stahlerzeugung oder bei der Entwicklung neuer Antriebe. Wasserstoff kann in Brennstoffzellenfahrzeugen verwendet oder weiterverarbeitet als synthetischer Kraftstoff (eFuel) genutzt werden und wird künftig für den Luft- und Schiffsverkehr sowie für viele mobile Arbeitsmaschinen in der Land- und Bauwirtschaft unerlässlich sein. Die Verfahren zur Herstellung sind ausgereift und warten auf ihren Markthochlauf.

Kreislaufwirtschaft gestalten

Die Kreislaufwirtschaft ist zu einem Megatrend im Maschinenbau geworden und bietet neben der Ressourcenschonung und Produktoptimierung die Möglichkeit, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Dazu braucht es die richtigen politischen Rahmenbedingungen. Die neue Bundesregierung ist gefordert, das regulatorische Design für die Kreislaufwirtschaft sorgfältig zu gestalten. Ziel muss es sein, Innovation und Kreativität nicht zu behindern, Designkontrolle zu vermeiden und gleichzeitig gemeinsame Standards für nachhaltiges Produktdesign und einen gut funktionierenden Sekundärrohstoffmarkt zu etablieren.

Fazit

Die technischen Voraussetzungen für die Erreichung der Klimaziele von Paris sind gegeben. Es fehlen jedoch verlässliche politische Rahmenbedingungen. Deutschland muss jetzt handeln und spätestens zu Beginn der kommenden Legislatur dafür sorgen, dass die Organisation von mehr Erneuerbaren Energien durch verbesserte Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt wird. Zudem braucht es eine globale Handelsmöglichkeit mit Emissionsminderungen, eine echte Wasserstoffwirtschaft und gemeinsame Standards für nachhaltiges Produktdesign, damit es zu einem gut funktionierenden Sekundärrohstoffmarkt kommt.

Kontakt

Matthias Zelinger, Leiter VDMA Competence Center Klima und Energie,
Telefon +49 69 6603-1351, E-Mail: matthias.zelinger@vdma.org

Andreas Rade,Geschäftsführer VDMA-Hauptstadtbüro,
Telefon +49 30 306946-16, E-Mail: andreas.rade@vdma.org

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