Klimaneutral Produzieren

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Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, CO2-Neutralität und Klimaschutz gewinnen stetig und rasant an gesellschaftlicher, politischer und unternehmerischer Bedeutung. Europa hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu sein. Rahmenbedingungen und Fahrplan hierfür sind im European Green Deal detailliert.

Vor diesem Hintergrund wurde vom VDMA Landesverband Baden-Württemberg am 23. Februar 2021 eine Online-Veranstaltung durchgeführt. Als Einstieg wurde ein Gesamtüberblick zum Green Deal gegeben und die derzeitig wesentlichen Treiber für Klimaneutralität vorgestellt. Anhand des Greenhouse Gas Protocol wurde erläutert, welche Unternehmensaktivitäten zur erfolgreichen Umsetzung dazugehören. Anschließend erfolgte eine Einführung in den VDMA Praxisleitfaden "Klimaneutral Produzieren". Dieser enthält eine ganze Reihe nützlicher Schritte und Maßnahmen, angefangen von der Erstellung einer Treibhausgasbilanz und der Definition von unternehmensseitigen Klimazielen über Energieeffizienzmaßnahmen, den Bezug umweltfreundlicher Energie und die Kompensation unvermeidbaren Emissionen bis hin zur Integration der gesamten Wertschöpfungskette.

In den Expertenvorträgen aus der Industrie wurden wertvolle Erfahrungen aus der Praxis sowohl vom Standpunkt eines Großkonzerns als auch eines Mittelständlers betrachtet sowie Vorgehensweisen zur erfolgreichen Umsetzung der klimaneutralen Produktion erläutert.

Der Green Deal und seine Auswirkungen auf Daimler

Zunächst wurde die strategische Perspektive des Green Deal und seine Auswirkungen auf die Daimler AG dargestellt. Dabei wurde auch verdeutlicht, dass im Zusammenhang mit der EU Klimaagenda noch eine weitere Anzahl strategischer Initiativen und Regulierungen von europäischer Seite auf die Wirtschaft zukommt, wie etwa der Aktionsplan Kreislaufwirtschaft, die Strategie für nachhaltige und intelligente Mobilität, der CO2-Grenzausgleichsmechanismus, die Taxonomie-Verordnung oder die Vorlage des Klimagesetzes, um nur einige zu nennen. Rechtzeitiges Handeln gewinnt also zunehmend an Relevanz.

CO2-neutrale Produktion bei Mercedes-Benz im Detail

Im zweiten Praxisvortrag sind die strategische Ausrichtung und Erfahrungen zur Etablierung von CO2-neutralen Produktionswerken seitens der Mercedes-Benz AG erörtert worden. Durch eine intelligente Kombination aus eigener Erzeugung und externem Bezug wird zu jeder Zeit (24/7) die deutschlandweite Verbrauchsabdeckung mit 100% Grünstrom gewährleistet. Langfristig sollen geeignete Maßnahmen auch die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung erzielen. Es wurde auf die hohe Bedeutung von Energieeffizienzmaßnahmen hingewiesen, denn letztlich stellt die Nicht-Erzeugung von Energie die größte und beste CO2-Ersparnis dar. Weiterhin wurden für unvermeidbare Emissionen einige Prinzipien und Beispiele für qualifizierte Projekte zur Kompensation vorgestellt.

Der Weg zum klimaneutralen Produzieren bei elobau

Der dritte Praxisvortrag stammte von der elobau GmbH & Co. KG und präsentierte auf eindrucksvolle Weise welche Aktivitäten und Maßnahmen in den letzten Jahren unternehmensweit eingeführt und umgesetzt wurden. Beginnend mit der Erstellung eines Masterplans und der Entwicklung von Klimazielen, der Klimabilanzierung, über die Umstellung auf Grünstrom, die Reduktion, Vermeidung und Kompensation von Emissionen bis zur langfristigen Strategie eines ganzheitlichen Klimaschutzes u.a. zur zukünftigen Einbeziehung weiterer Unternehmensbereiche, wie etwa der Produktentwicklung im Sinne von Life-Cycle Assessments, Optimierung der Materialauswahl, der Integration der gesamten Lieferkette etc., wurden die vielfältigen Aspekte und Tätigkeiten veranschaulicht.

Fazit

Den rund 50 Teilnehmern wurden detaillierte Einblicke in die Thematik und die industrielle Praxis gewährt und sie hatten die Möglichkeit während der gesamten Veranstaltung ausgiebig mit den Experten und Referenten zu diskutieren und untereinander ihre Erfahrungen auszutauschen. Mit dem Leitfaden "Klimaneutral Produzieren" des VDMA wurde zudem eine praxisorientierte Schritt-für-Schritt Anleitung zum Einstieg auf dem Weg zur Klimaneutralität bereitgestellt.

Obwohl das Jahr 2050 noch in weiter Ferne scheint, herrschte unter den Experten Einigkeit, dass sich Unternehmen zeitnah in das Thema einarbeiten und mit der Bilanzierung der Treibhausgase, der Definition eigener ambitionierter Klimaziele und der Ableitung einer entsprechenden Strategie zur Zielerreichung möglichst rasch beginnen sollten.