Startup-Lösungen für den Maschinenbau – Future Business

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Am 24. August 2020 fand der fünfte online-Erfahrungsaustausch“ Startup-Lösungen für den Maschinenbau“ mit dem Schwerpunktthema Future Business statt.

Zum gegenseitigen Kennenlernen wurden die Veranstaltungsteilnehmer gebeten, Fragen einer anonymen Vorabumfrage zu beantworten. Vertreten waren dabei vorwiegend Mitarbeiter aus den Bereichen Innovationsmanagement und Business Development sowie zum geringeren Anteil aus FuE-Abteilungen und der Unternehmensleitung. Insgesamt haben rund zwei Drittel der beteiligten Firmen bereits mit Startups zusammengearbeitet. Die große Mehrheit der Interessierten bezeichnt sich laut einer Selbsteinschätzung als „Fortgeschritten“ und davon zum geringeren Teil auch als „Experten“ im Themenfeld Future Business ein. Auf die offene Frage hin, „was ist für Ihr Unternehmen im Themenbereich Future Business / Foresight besonders interessant?“, wurde überwiegend das Thema „Digitalisierung“ genannt sowie die Themen „Produktentwicklung“ und „Trendanalysen“.

Dr. Eric Maiser, Leiter des VDMA Competence Center Future Business, stellte anhand seines Vortrages vor, wie man sich als Unternehmen strategisch aufstellt, um für künftige Veränderungen gewappnet zu sein und diese im günstigsten Fall zu seinen eigenen Vorteil nutzt. Als eine Säule des Future Business beschäftigt sich der Bereich Corporate Foresight mit dem Ausloten von „Zukünften“ und dem Denken in Alternativen. Corporate Foresight ist dabei komplementär zum Innovationsmanagement zu verstehen – während das erstere weiter in die Zukunft blickt, beschäftigt sich das Management von Innovationen unter anderem mit der Förderung der Innovationskultur in einer Firma. Innovationsmanagement und Corporate Foresight überlappen sich aber auch in bestimmten Schnittstellen, wie zum Beispiel bei der Suche nach neuen Geschäftsfeldern oder der Erstellung von Roadmaps.

Sich auf verschiedene Alternativen systematisch vorzubereiten und Trends rechtzeitig zu erkennen, wird von einem Teil der Unternehmen häufig nicht als vorrangig angesehen, ist aber essenziell für den mittel- und langfristigen Unternehmenserfolg. Personalressourcen oder Budgets in diesem Unternehmensbereich einzusparen kann sich kurzfristig als Vorteil erweisen, mittel- und langfristig führt es eher zu einem Wettbewerbsnachteil oder zu einer vollständigen Verdrängung aus dem Markt.

Zum einen hilft der VDMA, um in dem „Dschungel“ an Trends und neuen Entwicklungen den Überblick zu bewahren, zum anderen kann dabei auch die Zusammenarbeit mit Startups hilfreich sein.  Die jungen Unternehmen sind durch ihre Unternehmenskultur per se nah am „Puls der Zeit“ und können, wie die beiden Referenten der Startups Motius GmbH und Rokin GmbH gezeigt haben, Lösungen anbieten, um Maschinen- und Anlagenbauer zukunftssicher zu machen.

Neueste Erkenntnisse zugänglich machen

Motius greift durch ihre „fluide“ Unternehmensstruktur, die aus einem Kernteam und temporären Mitarbeitern besteht, auf eine Vielzahl an Expertisen zurück. Die Teams bestehen dabei aus industrieerfahrenen Fachkräften sowie aus Ingenieuren und IT-Spezialisten, die häufig auch über ihre Doktorandenstellen mit Hochschulen und somit der neuesten Forschung verbunden sind. Der interne Wissenstransfer innerhalb von Motius wird dadurch gewährleistet, dass das Know-how, das im Zuge von Kundenprojekten gewonnen wurde, nicht mit dem Abgang von Mitarbeitern verloren geht. Das Startup bearbeitet Aufträge, die sich mit unterschiedlichen Technologiefeldern wie beispielsweise der Künstlichen Intelligenz, Augmented und Virtual Reality aber auch klassischen Maschinenbau beschäftigen. Motius kann dabei unter anderem auf Referenzen wie der Entwicklung und Konstruktion eines fahrerlosen Transportsystems für die Produktion eines Landmaschinenherstellers verweisen. Weitere Projekte mit Maschinenbaubezug waren die automatische Voreinstellung der Parameter von Druckmaschinen oder auch ein Projekt zur Ansteuerung einer Werkzeugmaschine über einen Messanger Bot.

Das Startup Rokin zeigte, wie Ingenieuren bei der Suche nach neuen Technologien geholfen werden kann. Einen beträchtlichen Teil ihrer Zeit verbringen Techniker damit, geeignete Lösungen für ihr Konstruktions- oder Produktionsproblem zu finden. Das liegt auch daran, dass die dafür verwendeten Suchmaschinen kein „digitaler Ingenieur“ sind, der die technischen Zusammenhänge sofort versteht und mögliche Lösungen präsentiert. Die IT-Lösung von Rokin, die diesem Problem entgegentritt, basiert auf Natural Language Processing (NLP), das künstliche Intelligenz mit Linguistik verbindet. Die IT-Lösung „Rokin Search“ des Startups analysiert dabei unter anderem mehr als 1.000 Quellen von deutsch- und englischsprachigen Fachzeitschriften und greift auf eine Technologiedatenbank mit mehr als 5.000 verschiedenen Technologien zurück. Das Tech Scouting, ein weiterer Service des Startups, sucht passende Technologien für bestimmte technische Problemstellungen. Rokin bietet nicht nur eine Lösung für diejenigen, die sich für neue und bestehende Technologielösungen interessieren – sondern auch im Sinne des Foresight – für Analysen, die Technologien das eigene Geschäftsmodell in der nahen oder ferneren Zukunft bedrohen könnten.

Die Startups, die ihre Dienstleistungen vorgestellt haben, sind Teil des umfangreichen Netzwerkes der VDMA Startup-Machine. Die Startup-Machine ist die Plattform, wenn es darum geht Maschinenbauunternehmen mit Startups zu vernetzen. Neben der Suche nach geeigneten Startups und dem Matching von Maschinenbauern, coacht sie auch VDMA-Mitglieder bezüglich einer möglichen Zusammenarbeit und zu den typischen Facetten der Startup-Kultur.

Veranstalter

Die Veranstaltung wurde von ProduktionNRW angeboten. ProduktionNRW ist das Kompetenznetz des Maschinenbaus und der Produktionstechnik in Nordrhein-Westfalen und wird vom VDMA NRW durchgeführt. ProduktionNRW versteht sich als Plattform, um Unternehmen, Institutionen und Netzwerke untereinander und entlang der Wertschöpfungskette zu vernetzen, zu informieren und zu vermarkten. Wesentliche Teile der Leistungen, die ProduktionNRW erbringt, werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

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