SCIP-Datenbank

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Ab dem 5. Januar 2021 sind alle Maschinen- und Anlagenbauer vom kleinen Unternehmen bis zum Konzern verpflichtet, besonders besorgniserregende Stoffe zu melden. Diese Pflicht gilt für alle Lieferanten entlang der Lieferkette – für Hersteller ebenso wie für Händler.

Blei, Chromtrioxid oder auch Diisobutylphthalat – das sind drei der insgesamt 209 Stoffe, die zu den besonders besorgniserregenden Stoffen zählen. Diese werden in der Fachsprache als SVHC bezeichnet (Substances of Very High Concern) und können Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen oder auf die Umwelt haben.

Ab dem 5. Januar 2021 sind alle Maschinen- und Anlagenbauer – vom kleinen Unternehmen bis zum Konzern – verpflichtet, besonders besorgniserregende Stoffe zu melden. Diese Pflicht gilt für alle Lieferanten entlang der Lieferkette – für Hersteller ebenso wie für Händler. Die bereitgestellten Informationen sollen für die Kreislaufwirtschaft und Unternehmen aus dem Abfallbereich hilfreich sein. Zudem sollen auch Verbraucher auf die Datenbank zugreifen können, um sich über gefährliche Stoffe in Produkten zu informieren. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat dafür mit „SCIP“ (Substances of concern in articles, as such or in complex objects (Products)) eine elektronische Datenbank entwickelt.

SCIP bringt hohen Aufwand mit sich

Für den Maschinen- und Anlagenbau mit seinen komplexen Produkten, seiner hohen Fertigungstiefe und seinen ebenfalls komplexen globalen Lieferketten würde dies bedeuten, dass jedes einzelne Bauteil (Erzeugnis), das über 0,1 Prozent eines gelisteten Stoffes enthält, in die Datenbank hochgeladen werden müsste.

Seit der SVHC-Listung des Stoffs „Blei“ sind zahlreichen Erzeugnisse in vielen Produkten des Maschinenbaus betroffen. Hinzu kommt, dass in der Datenbank Informationen zur Verfügung gestellt werden müssen, die den Unternehmen heute ggf. noch nicht vorliegen, weil sie über das, was derzeit im gesetzlichen Rahmen von REACH gefordert wird, hinaus gehen.

Allein um die Informationen der Lieferanten zu erhalten, dürfte es zu einem sehr aufwändigen und langwierigen Prozess zur Kommunikation von Materialdaten entlang der Lieferketten kommen. Eine Umfrage unter VDMA-Mitgliedsunternehmen hat ergeben, dass im Mittel allein zwanzig Vollzeit-Arbeitskräfte zusätzlich zur Erstbefüllung der Datenbank beschäftigt werden müssten, um sämtliche Aufgaben erledigen zu können. Dazu zählen Abfragen der Informationen entlang der Lieferkette, eine interne „Verarbeitung“ der Daten, eine interne Zuordnung der Daten zu Produkten und der Zeitbedarf zur Eingabe der Daten in SCIP.

ProduktionNRW hat in Kooperation mit dem VDMA am 20. August 2020 zu einem Erfahrungsaustausch zu diesem Thema eingeladen, um darüber zu informieren und Auswirkungen zu diskutieren. Die Teilnehmer berichteten, dass kleine Unternehmen technisch gar nicht in der Lage wären, eine solche aufwändige Datenbank zu befüllen und  dass die Forderungen „unrealistisch und geschäftsschädigend“ seien. „Die Wettbewerbsfähigkeit wäre in jedem Fall gefährdet“, kritisierten sie.

Politische Dimension

Dass für das Erreichen der Ziele in einer Kreislaufwirtschaft ggf. gewisse Daten über gefährliche Stoffe in Produkten zur Verfügung gestellt werden müssen, ist unumstritten. Allerdings gibt es eine hohe Betroffenheit der Branche, weil der Aufwand zur Befüllung dieser Datenbank bei weitem das übersteigt, was ursprünglich einmal angedacht war.

Eine gemeinsame Stellungnahme von ZVEI e.V., VDMA e.V. und bitkom e.V. griff das Thema bereits im Januar 2020 auf. Inzwischen haben sich 11 Verbände dem VDMA angeschlossen, was die Betroffenheit noch stärker untermauert: Sie haben am 02. September 2020 einen gemeinsamen Brief zur SCIP-Datenbank an die Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Svenja Schulze, und den Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Peter Altmaier, gesendet. Darin kritisieren die Verbände, dass die Datenbank für die Industrie existenzbedrohlich ist. Der Brief erläutert die Herausforderungen und möglichen Lösungen.

Wie ist die SCIP Datenbank gesetzlich verankert?

Die 2018 novellierte Abfallrahmenrichtlinie schreibt vor, dass ab Januar 2021 jeder Lieferant von Erzeugnissen mit SVHC-Konzentrationen von mehr als 0,1 Masseprozenten dies der ECHA melden muss.  Nach der Definition für „Lieferant“ und „Erzeugnis“ ist nach REACH Artikel 3 jeder Maschinen- und Anlagenbauer demzufolge Erzeugnis-Lieferant. Produzenten, Importeure, Händler oder auch andere Akteure der Lieferkette, die Erzeugnisse in Verkehr bringen, sind im gleichen Maße betroffen.

Prototyp der Datenbank

Svenja Heinrich, Referentin der VDMA Abteilung Umwelt, Technik und Nachhaltigkeit stellte Screenshots der SCIP-Datenbank vor. Aktuell ist es möglich, den Prototypen der Datenbank zu testen, um eine Vorstellung zum Aufbau der Datenbank und dem damit verbundenen Aufwand zu erhalten.

Weitere Informationen


Veranstalter

Die Veranstaltung wurde vom VDMA NRW in Kooperation mit ProduktionNRW angeboten. ProduktionNRW ist das Kompetenznetz des Maschinenbaus und der Produktionstechnik in Nordrhein-Westfalen und wird vom VDMA NRW durchgeführt. ProduktionNRW versteht sich als Plattform, um Unternehmen, Institutionen und Netzwerke untereinander und entlang der Wertschöpfungskette zu vernetzen, zu informieren und zu vermarkten. Wesentliche Teile der Leistungen, die ProduktionNRW erbringt, werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.