Startup-Lösungen für den Maschinenbau – Künstliche Intelligenz

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Startups, die sich mit dem Thema „Künstliche Intelligenz“ beschäftigen, bieten dem Maschinen- und Anlagenbau Lösungen für verschiedene Anwendungsfelder. Die Bandbreite reicht dabei von optischen Inspektionssystemen, Process Mining, Transparenz in Lieferketten, Analyse von Textdateien bis hin zur Optimierung von Rüstprozessen.

Der größte Teil der Teilnehmer des Webinars am 2. Juni 2020 war vor allem an dem Fokusthema Künstliche Intelligenz (KI) interessiert. Von den Teilnehmern haben knapp 50 Prozent laut einer vor und im Rahmen der Veranstaltung durchgeführten Umfrage bereits mit Startups zusammengearbeitet. Die Hälfte der Teilnehmer wollte zudem neue Startups kennenzulernen. 40 Prozent der Befragten waren Vertreter von Unternehmen mit mehr als 3.000 Beschäftigten und ebenso viele waren einer Firmengröße von 50 bis 999 Mitarbeitern zuzurechnen. Zudem gaben gut 44 Prozent der Umfragebeteiligten an, Anfänger im Themenfeld KI zu sein, während sich rund 31 Prozent zu den Fortgeschrittenen zählten.

Die Teilnehmer zeigten sich vor allem an folgenden Einsatzfeldern der KI im Maschinenbau interessiert: Predictive Maintenance, Optimierung und Bilderkennung. Darüber hinaus hat das Innovationsmagazin von ProduktionNRW das Thema „Künstliche Intelligenz“ in seiner letzten Ausgabe zum Schwerpunkt gemacht. Anhand von Praxisbeispielen wurde darin aufgezeigt, dass KI nicht nur eine Zukunftsvision ist, sondern bereits im Produktionsalltag umgesetzt wird.

Guido Reimann vom VDMA Software und Digitalisierung gab in seinem Einführungsvortrag einen Überblick zum bisherigen Stand der Künstlichen Intelligenz im Maschinenbau. Laut einer Studie des VDMA haben 95 Prozent der Unternehmen, die ein KI-Projekt durchgeführt haben oder durchführen, mit externen Partnern zusammengearbeitet. Externe Kooperationspartner waren hierbei Hochschulen und IT-Dienstleister sowie zu knapp 40 Prozent Startups. Positive Auswirkungen der Kooperation waren unter anderem die Erhöhung des Automatisierungsgrades und die Verringerung des Personalaufwandes.

Startups mit interessanten Lösungen im Bereich KI

Die fünf vorgestellten Startup-Vorträge beinhalteten verschiedene Anwendungsfelder von KI im Maschinen- und Anlagenbau. Das Fraunhofer Spin-Off Gixel GmbH stellte ein optisches Inspektionssystem für Produktionsstraßen vor. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz kann so innerhalb kurzer Zeit aus einer kleinen Anzahl von Bildern mit Gut- und Schlecht-Beispielen eine zuverlässige Qualitätssicherung ermöglicht werden.

Lana Labs GmbH, eine Ausgründung des Hasso-Plattner-Instituts, thematisierte in ihrem Beitrag das Feld „Process Mining“. Prozessabläufe, die im Idealfall leicht zu überschauen sind, sind in der Realität meistens komplexer. Die Lösung von Lana Labs misst, wie einfaches Data Mining auch, Key Performance Indicators (KPIs) und erklärt darüber hinaus auch noch, warum bestimmte Prozesse nicht optimal verlaufen. Dieses Fragen nach dem „Warum“ beinhaltet unter anderem Prozessvisualisierungen, Ursachenanalysen und  Prognosen der betriebsinternen Prozesse – und erhöht somit insgesamt die Transparenz der Betriebsabläufe.

Der Transparenz widmete sich auch der nächste Beitrag des Startups Evertracker GmbH. Hersteller und Produzenten sind auf reibungslose Logistikketten angewiesen und müssen über eventuelle Verzögerungen in der Wertschöpfungskette rechtzeitig informiert werden. Das Produkt von Evertracker betrachtet die Lieferketten lückenlos vom Anfang bis zum Ende auf Teileebene. Dabei wird auf Algorithmen zurückgegriffen, die in Echtzeit aktuelle mit historischen Daten vergleichen und somit die Produzenten in Echtzeit im Vorfeld der Lieferung informieren können. 

Ein leider weitverbreitetes Phänomen vieler Betriebe ist die Vielzahl an unstrukturiert vorhandenen Daten und Informationen. Das Jungunternehmen Curiosity GmbH bietet Produkte an, die unstrukturierte Textdaten analysieren und in Form von Clustern ordnen. Die Software kann dabei unter anderen mit Kunden-Feedbacks „gefüttert“ werden und so mögliche Trends erkennen. Wenn sich beispielsweise Beschwerden oder Rückmeldungen bezüglich eines bestimmten Produkts oder Fehlers häufen, kann dies rechtzeitig erkannt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden.

Der Zeitverlust bei und die Ineffizienz von Rüstprozessen ist in vielen herstellenden Firmen ein häufiges Thema. Dies ist unter anderem auf das Fehlen von Prozessstandards zurückzuführen oder auch darauf, dass Fachwissen nicht dokumentiert wird. Dieses Erfahrungswissen Einzelner, dass oftmals nicht an andere, neue Mitarbeiter weitergegeben wird, trägt zu den angeführten Problemen bei. Die Predicpro GbR begegnet dieser Herausforderung durch eine auf KI-basierte Plattform, auf die beteiligte Mitarbeiter wie Maschinenführer, Techniker oder auch Schichtleiter zurückgreifen können. Das damit verbundene Erfassen und Standardisieren der Rüstparameter trägt zu einer langfristigen Optimierung des Rüstprozesses und somit zu einer operativen Exzellenz für industrielle Maschinen bei.

Die Startups, die ihre Dienstleistungen vorgestellt haben, sind Teil des umfangreichen Netzwerkes der VDMA Startup-Machine. Die Startup-Machine ist die Plattform, wenn es darum geht Maschinenbauunternehmen mit Startups zu vernetzen. Neben der Suche nach geeigneten Startups und dem Matching von Maschinenbauern, coacht sie auch VDMA-Mitglieder bezüglich einer möglichen Zusammenarbeit und zu den typischen Facetten der Startup-Kultur. Die VDMA Startup-Machine beschäftigt sich aktuell ebenfalls mit dem Thema KI und gibt zudem in der zweiten Jahreshälfte ein neues Startup-Radar „Künstliche Intelligenz und Machine Vision“ heraus.

Veranstalter

Die Veranstaltung wurde von ProduktionNRW angeboten. ProduktionNRW ist das Kompetenznetz des Maschinenbaus und der Produktionstechnik in Nordrhein-Westfalen und wird vom VDMA NRW durchgeführt. ProduktionNRW versteht sich als Plattform, um Unternehmen, Institutionen und Netzwerke untereinander und entlang der Wertschöpfungskette zu vernetzen, zu informieren und zu vermarkten. Wesentliche Teile der Leistungen, die ProduktionNRW erbringt, werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.