Oft unterschätzt: Die Qualität von Stammdaten ist ein Thema des Qualitätsmanagements!

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Daten sind im Kontext der Industrie 4.0 das neue Gold der Unternehmen und das neue Öl für Wettbewerbsfähigkeit. Im Zeitalter der Digitalisierung ist deshalb eine hohe Qualität der Daten unumgänglich. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Stammdaten, denn sie stellen die Grundlage für die digitalen Produkte und Dienstleistungen dar.

Selbst kleine Mängel in Stammdaten, wie eine falsche Lieferadresse, fehlerhafte Materialstämme oder falsche Ersatzteilbestände können in komplexen Fertigungsprozessen des Maschinenbaus massive Auswirkungen haben. Es gilt daher zu überlegen, ob das Qualitätsmanagement ein Datenqualitätsmanagement etabliert, das die Stammdaten überwacht und optimiert.

In vielen Unternehmen ist die Qualität der Stammdaten noch verbesserungsfähig, wodurch immense Potenziale noch gehoben werden können. So haben die Unternehmen seit Jahren in Qualitätsmanagementsysteme investiert, um Prozesse an den Kundenwünschen auszurichten. Doch auf die Qualität der Daten wurde diese Ansätze vergleichsweise wenig angewendet. Aus diesem Grund hat sich der VDMA Arbeitskreis Qualitätsmanagement in Kooperation mit ProduktionNRW dem Thema gewidmet. Am 27. Februar 2020 fand ein Workshop zum Datenqualitätsmanagement im TechnologieZentrumDortmund statt.

Die Qualität von Daten ist ein Thema des Qualitätsmanagements

„Charakteristisch für Stammdaten ist: sie werden nicht permanent, sondern periodisch aktualisiert und bilden die Basis für viele betriebliche Prozesse“, sagt Dr. Frank Bünting, stellvertretender Abteilungsleiter der VDMA Business Advisory. „Oft wird der Qualität dieser Daten nicht die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt, obwohl die permanente Datenpflege und die dafür eingeführten Regeln und Prozesse zur Unternehmenssicherung enorm beitragen können.“

Dass die Qualität von Daten nicht nur ein reines Thema der IT, sondern auch ein Thema für den „QM’ler“ ist, fordert auch die DIN EN ISO 9001:2015. Die Norm zielt darauf ab, frühzeitig unternehmensgefährdende Risiken zu berücksichtigen, zu bewerten und zu vermeiden. In Punkt 2.3.6.4 der Norm heißt es, dass die Unternehmen „sicherstellen sollen, dass Daten und Informationen ausreichend präzise, verlässlich und sicher sind“.

Notwendige Festlegungen und Vorgehensweise

Für die präzisen und verlässlichen Daten sollte das Qualitätsmanagement zunächst einmal eruieren, welche Daten für das Unternehmen wichtig sind. Weiter müssen Kriterien für Datenqualität aufgestellt, Verantwortlichkeiten festgelegt und bestimmt werden, wie die Messung der Datenqualität erfolgen sollte.

Im ersten Schritt empfiehlt Dr. Bünting jedoch, die Voraussetzungen zu schaffen, um bessere Daten vorhalten zu können. Dazu zählt die Schulung aller Mitarbeiter und die Sensibilisierung für die Bedeutung gepflegter Daten. Tools für die Nutzer müssen fehlertolerant und nutzerfreundlich sein. Eine unternehmensbezogene Herausfilterung relevanter Daten oder auch die teilautomatisierte Bearbeitung sollten vorab definiert werden. Was besonders wichtig ist, sei eine Erfolgskontrolle für die erledigte Arbeit: So sollte ein Monitoring im Unternehmen erfolgen, dass die Fortschritte der Arbeit kommuniziert. Denkbar sind in diesem Zusammenhang auch Gamification-Systeme wie beispielsweise Erfolgsquoten für diejenigen, die Adressdaten oder weitere Daten intensiv pflegen. Im weiteren Verlauf seines Vortrags berichtete Dr. Bünting, was eine gute Prozess-Kennzahl ausmacht und, welche Anforderungen an Kennzahlen zum Steuern von Prozessen gelten.

Ergebnisse des Workshops sollen weiterentwickelt werden

„Der Workshop hat gezeigt, dass viele Unternehmen bei dem Thema noch lange nicht am Ziel sind. Daher freue ich mich, dass wir den Qualitätsmanagern heute entsprechende Impulse für Ihre Arbeit mitgeben konnten. Denn die Datenqualität wird im Zusammenhang mit der Digitalisierung immer wichtiger“, so das Fazit von Dr. Bünting. Im Workshop erarbeiteten die Teilnehmer anhand von Ishikawa-Diagrammen diverse Problemstellungen zur Qualität von Stammdaten. Der Arbeitskreis will das Thema weiter vorantreiben und die Ergebnisse des Workshops für Handlungsempfehlungen für ein Stammdatenmanagement im Qualitätsmanagement nutzen.

Weitere Informationen

Veranstalter

Die Veranstaltung wurde vom VDMA NRW in Kooperation mit ProduktionNRW angeboten. ProduktionNRW ist das Kompetenznetz des Maschinenbaus und der Produktionstechnik in Nordrhein-Westfalen und wird vom VDMA NRW durchgeführt. ProduktionNRW versteht sich als Plattform, um Unternehmen, Institutionen und Netzwerke untereinander und entlang der Wertschöpfungskette zu vernetzen, zu informieren und zu vermarkten. Wesentliche Teile der Leistungen, die ProduktionNRW erbringt, werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.