Indien – Steuercompliance richtig managen (lassen)

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Die korrekte Anwendung und Umsetzung der komplexen Regelungen zu Umsatzsteuer und Compliance stellen deutsche Unternehmen, die in Indien aktiv sind, vor Herausforderungen. Kenntnisse der indischen Kultur sowie über die „Dos“ und „Don’ts“ helfen, Missverständnisse zu vermeiden.

Am Mittwoch, den 15. Januar 2020, fand die Veranstaltung „Steuercompliance richtig managen (lassen) – Indien“ in Dortmund statt. Die Veranstaltung drehte sich rund um das Thema der richtigen Steuererklärung in Indien. Zu Beginn erörterten die Teilnehmer die ihnen bekannten interkulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Indien. Schnell wurde deutlich, dass es bei mangelnder Kenntnis der jeweils anderen Kultur zu Missverständnissen kommen kann.

Sehr wichtig ist zum Beispiel die Kenntnis des Hierarchieverständnisses. So waren sich die Teilnehmer einig, dass in Indien sehr viel Wert auf die Einhaltung der Hierarchie gelegt wird. Um einer Angelegenheit die nötige Bedeutung zu verleihen, muss immer die obere Führungsebene mit eingeschaltet werden. Eine direkte Kommunikation von Sacharbeiter zu Sachbearbeiter ist selten von Erfolg geprägt. Vielmehr muss die Angelegenheit über die jeweiligen Vorgesetzten kommuniziert werden, die wiederum an ihre Sachbearbeiter weiterleiten.

Ebenso sprachen die Teilnehmer den Punkt „Präsenz schaffen“ an: Das heißt, das Anliegen soll auf mehreren Kommunikationswegen (Mails, Anrufe, etc.) „präsent“ gehalten werden, um ihm Bedeutung zu verleihen. Umgekehrt ist die mehrfache Kontaktaufnahme durch einen indischen Geschäftspartner zu einem Thema dem gleichen Grund geschuldet.

Steuerpflicht Indien

Mit den Teilnehmern wurde über die Steuerpflicht in Indien gesprochen, denn für nach Indien in Rechnung gestellte Dienstleistungen eines ausländischen Unternehmens erhebt der indische Staat eine Quellensteuer. Wie hoch die Steuer ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Unternehmen wird nahegelegt eine PAN (Permanent Account Number) zu beantragen. Diese entspricht in etwa der Deutschen Identifikationsnummer. Durch die Beantragung beträgt der Quellensteuersatz zehn Prozent, ansonsten liegt der Quellensteuersatz in der Regel bei 20 Prozent.

Ebenso ist darauf zu achten, dass nicht ungeplant eine Betriebsstätte in Indien entsteht. Dies kann passieren, wenn sich Personal eines deutschen Unternehmens oder Subunternehmens für Bauprojekte, Montagen oder deren Überwachung mehr als sechs Monate in Indien aufhält. Ein solcher Fall wird automatisch als Betriebsstätte deklariert und es fällt ein Quellensteuersatz von 43 Prozent an.

Die PAN Card allein schafft noch keinen Besteuerungstatbestand – eine weit verbreitete Sorge. Erst die Verbindung der Zahlung von Quellensteuern unter der unternehmenseigenen TAN (Tax Deduction and Collection Account Number), einer Nummer die dem zahlenden Unternehmen zuzuordnen ist, führt zu einer Registrierung möglicher steuerpflichtiger Vorgänge bei der Steuerbehörde und zur Pflicht zur  Steuererklärung in Indien.

Ist ein Unternehmen zu Steuerabgabe verpflichtend, so lautete der einhellige Rat, sollte sich früh genug um alle Unterlagen gekümmert werden, da die Prozesse sehr viel Zeit in Anspruch nehmen.