Der Idealzustand der Lean Administration

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Seit vielen Jahren ist Lean Management ein etabliertes Konzept in der Produktion. Wie sich Lean Prinzipien in der Administration anwenden lassen, zeigte eine Veranstaltung in der Lern- und Forschungsfabrik (LFF) in Bochum.

Während das Thema Lean Management in dem Bereich der Fertigung schon vielfach verbreitet ist, ist es in anderen Teilen der Wertschöpfungskette eher noch eine Seltenheit. Denn, Abweichungen von einem „Idealprozess“ lassen sich im Bereich der Produktion im Gegensatz zu Prozessen in der Administration besser erkennen.

Die Lern- und Forschungsfabrik (LFF) in Bochum war am 2. Juli 2019 erneut Gastgeber für das Thema Lean Management. Die Referenten betonten in ihren Vorträgen, dass es eine Herausforderung beim Thema Lean Management im administrativen Bereich sei, die Leistungen „sichtbar“ zu machen – um darauf aufbauend mögliche Verbesserungen zu erkennen. Genauso wie im Fertigungsbereich steht auch hier der Kreislauf aus Stabilisierung, Standardisierung, dem Erkennen von Abweichungen und der mitarbeitergetriebenen Problemlösung im Fokus der Lean-Philosophie. Beispiele für Störungen des Arbeitsablaufes im administrativen Bereich sind unter anderem „aufwendiges Nacharbeiten“, „unproduktive Sitzungen“ oder „Telefonanrufe“. Zudem tragen veraltete Stammdaten, lange Entscheidungsprozesse oder auch nicht definierte Schnittstellen zu Verzögerungen bei.

Darüber hinaus beschäftigte sich der Erfahrungsaustausch mit der Nutzung des vorher in den Vorträgen und in einem Rundgang durch LFF angesprochen Lean-Themen. Im Rahmen eines moderierten Planspiels wurden die Teilnehmer aktiv in die Optimierung von nicht idealen Prozessen eingebunden. Jeder Teilnehmer übernahm dabei einen Part innerhalb der Beispielfirma – unter anderem als Vertreter für die Abteilung Einkauf, Konstruktion oder Controlling. Als Aufgabe mussten sie Probleme, wie nicht definierte Schnittstellen oder unnötige Prozesse lösen und Vorschläge zur Reduzierung der Durchlaufzeit machen.

Die Lern- und Forschungsfabrik (LFF) in Bochum

Die LFF verknüpft Theorie und Praxis anschaulich und zeigt auf wie Produktions- und administrative Prozesse verbessert werden können. Hierzu gibt es beispielsweise eine Fertigungslinie, bei der gezeigt wird, wie die Mensch-Roboter-Kooperation funktionieren kann und wie Augmented Reality zur Verbesserung der Durchlaufzeit sowie Qualität beitragen kann.

Die LFF dient Unternehmen als „Spielwiese“ um Prozesse zu optimieren und zum anderen aber auch den Firmen zur Qualifizierung von Mitarbeitern hinsichtlich der Digitalisierung und bezüglich von Lean-Aspekten. Die Akteure der LFF legen dabei Wert auf eine interdisziplinäre Sichtweise und integrieren auch Fakultäten, die nicht unmittelbar mit den Ingenieurwissenschaften zu tun haben – wie beispielsweise die Sozialwissenschaften, Arbeitswissenschaften und Arbeitspsychologie. So wurden unter anderem an der LFF auch schon 300 Betriebsräte zu den Themen Digitalisierung und Arbeit 4.0 geschult.

Veranstalter

Die Veranstaltung wurde von ProduktionNRW angeboten. ProduktionNRW ist das Kompetenznetz des Maschinenbaus und der Produktionstechnik in Nordrhein-Westfalen und wird vom VDMA NRW durchgeführt. ProduktionNRW versteht sich als Plattform, um Unternehmen, Institutionen und Netzwerke untereinander und entlang der Wertschöpfungskette zu vernetzen, zu informieren und zu vermarkten. Wesentliche Teile der Leistungen, die ProduktionNRW erbringt, werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.