Moderne Softwaresysteme zur Optimierung der Produktionslogistik

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Die Digitalisierung bietet auch im Bereich Produktionslogistik große Chancen, um ihre übergeordneten Ziele „Senkung der Produktionskosten – Termintreue – Sicherung bzw. Steigerung der Produktqualität“ zu erreichen.

Die wachsende Komplexität durch den hohen Anspruch der Kunden stellt die Fertigung vor große Herausforderungen, wie beispielsweise kleine Losgrößen, höhere Rüstkosten, hohe Durchlaufzeiten, hohe Qualitätsansprüche oder höhere Kapitalbindung. Durch die Beherrschung der Informations- und Materialflüsse können trotz der Komplexität die Ziele der Produktionslogistik erreicht werden. Dazu muss jedes Unternehmen überprüfen, was es heute tatsächlich über seine Prozesse weiß: Sind die Engpässe in der Produktion bereits bekannt?, Wie ist die Auslastung der einzelnen Maschinen?, Wie ist der OEE (Overall Equipment Effectiveness) der einzelnen Maschinen? etc. Die Veranstaltung „Moderne Softwaresysteme zur Optimierung der Produktionslogistik“ im Rahmen der 26. Aachener ERP-Tage „Smart Operations – Vordenken. Gestalten. Umsetzen.“ zeigte am 5. Juni 2019, welche Möglichkeiten Softwaresysteme für die Produktionslogistik bergen.

Phillip Wetzchewald, Gruppenleiter Produktionsplanung und Leiter ERP-InnovationLab am FIR e.V. an der RWTH Aachen, ging in seinem Vortrag „Valide Planung als Enabler von Smart Operations“ der Frage nach, wie Industrie 4.0 als Treiber der Produktionslogistik fungieren kann. Werden IT-Tools zur Ermittlung von Daten eingesetzt werden, ist es wichtig zu wissen, welchen Nutzen man aus Daten ziehen möchte, um überhaupt die richtigen Daten zu ziehen und auszuwerten.

Wetzchewald verwies auf Studien, die belegten, dass die Datenvolumina aktuell exponenziell ansteigen und somit sowohl Auswertung der Daten als auch Ableitungen von Potenzialen für Unternehmen schwieriger werden. Die Herausforderung der Informationsgewinnung liegen im Datenwert, der Datenwahrheit, dem Datenvolumen, der Datumsvielfalt und der Datengeschwindigkeit. Eine erfolgreiche Umsetzung erfordert einen Wandel des gesamten Produktionsplanungs- und Steuerungssystems (PPS). Das FIR untersucht hierzu neue Formen und Ansätze der PPS durch vernetzte IT-Systeme und veränderte Koordinationsmechanismen. Die Vernetzung führt zum Zusammenführen von Daten aus verschiedenen Quelle wie PPS und anderen Sensordaten wie GPS oder Real-Time-Location-Systemen und letztendlich zum digitalen Abbild eines Produktes durch die ganze Fertigung – dem sogenannten Digitalen Schatten.

Das „Internet of Production“ wird als Grundmodell vernetzter Infrastrukturen gesehen und soll zu Smart Operations führen. Ermöglicht wird es durch schnelleren Datenzugriff, die Vernetzung der Datenquellen sowie die Bereitstellung verdichteter Informationen. Unternehmen profitieren auf diversen Ebenen durch die völlig neuen Formen der Produktionsplanung und -steuerung:

  • Erhöhte Aussagefähigkeit durch automatisierte Ermittlung von Durchlaufzeiten
  • Schaffung von Verständnis über Abläufe anhand rückmeldedatenbasierter Analysen
  • Situative Feinplanung mit Simulation von Handlungsalternativen auf Basis von Echtzeitdaten Durchgängige Kommunikation
  • Ortung mittels Echtzeit-Events


Anwendungsfälle aus der Praxis

Alexander Güthe, Sales Manager bei der INFORM GmbH, die bereichsübergreifende Steuerungssysteme herstellt, stellte in seinem Vortrag „Digitalisierung mit intelligenter Produktionsplanung – Mensch, Maschine und Material im Einklang“ die Vorteile und Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung vernetzter Systeme vor. Christian Zwillich, Sales Consultant Production bei KINEXON Industries GmbH, zeigte auf, wie Echtzeit-Lokalisierung (RTLS) zur Optimierung und Automatisierung der Produktionslogistik genutzt werden kann. Im Vortrag „Optimierungspotenziale in der Intralogistik“ stellte Karl M. Tröger, Business Development Manager bei PSI Automotive & Industry GmbH, Informationen zum Behältermanagement, Ausnutzung von Lagerflächen und Materialbereitstellung in der Produktion vor.

Fazit der Veranstaltung: das Erreichen von Zielen gelingt umso besser, wenn die Verzahnung zwischen Lager, Transport und Produktion funktioniert. Echtzeit-Rückmeldungen über aktuelle Fertigungszeiten, Bestand und Störungen verkürzen die Reaktionszeiten und sind daher von elementarer Bedeutung. Aufgrund der wachsenden Komplexität in der industriellen Produktion lässt sich dies nur mithilfe von Softwaresystemen realisieren.

Veranstalter

Die Veranstaltung wurde von ProduktionNRW angeboten. ProduktionNRW ist das Kompetenznetz des Maschinenbaus und der Produktionstechnik in Nordrhein-Westfalen und wird vom VDMA NRW durchgeführt. ProduktionNRW versteht sich als Plattform, um Unternehmen, Institutionen und Netzwerke untereinander und entlang der Wertschöpfungskette zu vernetzen, zu informieren und zu vermarkten. Wesentliche Teile der Leistungen, die ProduktionNRW erbringt, werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.