Das nächste Level für den Einkauf

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Erst die Digitalisierungsstrategie, dann das Umsetzen – dies gilt auch für Prozesse im Einkauf 4.0. Die Veranstaltung zeigte, wie die Daten aus dem Einkauf vernetzt und genutzt werden können.

Die Digitalisierung ist ein Veränderungstreiber für alle Bereiche eines Unternehmens, somit also auch für den Einkauf. Viele Daten, die im Einkauf anfallen, bergen nicht nur Potenzial für die weitere Nutzung, sondern machen auch neue Tools und Konzepte erforderlich. Michael Wolf, Referent VDMA Business Advisory stellte am 9. April 2019 in einem Erfahrungsaustausch vor, wie sich die Rahmenbedingungen für den Einkauf in der Zukunft verändern könnten.

Dabei wurden insbesondere drei Hauptveränderungen herausgestellt:

  • Der operative Einkauf wird ein neues Profil bekommen
    Die klassische Sachbearbeitung, wie zum Beispiel das Bearbeiten der Auftragsbestätigung, werden in der Zukunft digitalisiert und automatisiert. Der operative Einkauf wandelt sich dabei zum Störfallmanager, dessen Aufgabe dann die Bearbeitung der vorhandenen Prozessabweichungen sein wird.
  • Die Zusammenarbeit mit der Technik muss neu definiert werden
    Die unsichtbare Komplexität und Teilevielfalt im Unternehmen können mittels digitaler Lösungen besser beherrschbar sein. Gleichzeitig muss der Einkauf aber in die technische Entwicklung von Produkten eingebunden werden, um Standardisierung und Modularisierung zu forcieren.
  • Der strategische Einkauf wird ausgeweitet
    Durch die Digitalisierung erhalten Unternehmen Zugänge zu neuen Lieferanten, die vorher über die gängigen Suchmaschinen nicht auffindbar waren. Das Lieferantenmanagement erhält einen deutlich höheren Aufgabenumfang, da die Anforderungen an Lieferanten immer komplexer werden. Neue Tools für den Einkauf 4.0 machen es möglich, Prozesse auf Basis von Datenauswertungen zu optimieren, die Transparenz zu steigern und bisher nicht identifizierte Einsparungspotenziale zu erkennen.


Frank Sundermann, geschäftsführender Gesellschafter der Durch Denken Vorne Consult GmbH, legte in seinem Vortrag den Fokus auf den Nutzen, den die Daten stiften können. Er zeigte eine Reihe möglicher Analysewerkzeuge, um daraus einen Mehrwert für den Einkauf zu generieren und unterstrich die Bedeutung einer hohen Datenqualität als Basis für eine erfolgreiche Digitalisierung.

Anhand eines Praxisbeispieles zeigte Jürgen Neitsch, Einkaufsleiter der Windmöller und Hölscher KG, welche Digitalisierungsschritte sein Unternehmen bislang zurückgelegt hat. Vor ungefähr zehn Jahren hatte sich die Firma entschieden, den Einkauf neu zu strukturieren und zu digitalisieren. Seitdem wurden nicht nur neue Prozesse und Werkzeuge, sondern auch ein „Einkaufscockpit“ für das Monitoring von Einkaufsprozessen implementiert.

Alle Referenten unterstrichen die Notwendigkeit einer Digitalisierungsstrategie, bevor mit dem konkreten Umsetzen von Projekten gestartet wird.

Die Veranstaltung wurde von ProduktionNRW angeboten. ProduktionNRW ist das Kompetenznetz des Maschinenbaus und der Produktionstechnik in Nordrhein-Westfalen und wird vom VDMA NRW durchgeführt. ProduktionNRW versteht sich als Plattform, um Unternehmen, Institutionen und Netzwerke untereinander und entlang der Wertschöpfungskette zu vernetzen, zu informieren und zu vermarkten. Wesentliche Teile der Leistungen, die ProduktionNRW erbringt, werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.