Digitale Plattformen im Maschinenbau

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Die Digitalisierung im Maschinenbau gewinnt immer mehr an Bedeutung, nicht nur in Form von vernetzter Produktion und digitalisierten Produkten, sondern auch durch digitale Plattformen. Im Rahmen des Erfahrungsaustausches diskutierten Experten aus Maschinenbauunternehmen die aktuellen Entwicklungen anhand von Praxisbeispielen.

Der vom VDMA NRW in Kooperation mit dem FIR e. V. an der RWTH Aachen durchgeführte Erfahrungsaustausch fand am 13. November 2018 im Vorfeld der jährlich organisierten „CDO Aachen 2018 – Convention on Digital Opportunities“ statt. Dadurch wurden den Teilnehmern beider Veranstaltungen die Möglichkeit gegeben, sich zu dem interdisziplinären Themenfeld auszutauschen.

Der Mehrwert von digitalen Plattformen beruht unter anderem auf reduzierten Transaktionskosten, neuen möglich gewordenen Dienstleistungen und Geschäftsmodellen sowie Netzwerkeffekten. So wird zum Beispiel durch eine zunehmende Anzahl von Plattformnutzern die Attraktivität gesteigert – Anbieter haben mehr Abnehmer und Plattformnutzer können auf ein größeres und besseres Angebot zurückgreifen.

Da unter dem Begriff „Plattform“ je nach Sichtweise verschiedene Dinge zu verstehen sind, ist erstmal zu klären, welche Perspektive die eigene Firma diesbezüglich einnehmen möchte. Nach Geoffrey G. Parker, Autor des Buches „Platform Revolution“ versteht man darunter beispielsweise „Ein neues Geschäftsmodell, das Menschen, Unternehmen und Ressourcen mittels Technologie zu einem interaktiven Ökosystem verbindet, in dem erstaunliche Mengen an Werten erzeugt und ausgetauscht werden können“.

Definition der Rolle

Es muss geklärt werden, welche Rolle oder Position man als Unternehmen bezüglich einer bestimmten Plattform einnehmen möchte: Ist man eher „nur“ ein Datenlieferant oder möchte man gar selbst eine Plattform etablieren und Plattform-Provider werden. Je nach Situation gibt es auch Zwischenstufen, die man zwischen diesen beiden Positionen einnehmen kann. Wichtig ist dabei zu beachten, dass man als Plattformanbieter, für Aufbau, Betrieb und Orchestrierung einer digitalen Plattform zuständig ist. Somit hat man natürlich einen größeren Aufwand als ein Datenlieferant oder ein Nutzer der Plattform. Andererseits kann man als Provider entscheidend mitbestimmen und auf einen deutlich höheren Erlös hoffen.

Neben der Festlegung von strategischen Zielen ist es wichtig, relevante Anwendungsfälle in der eigenen Firma zu definieren. Um nicht an der Realität vorbei zu entwickeln, sollten Kunden frühzeitig eingebunden werden. Für die nutzerzentrierte Produktentwicklung bieten Plattformen einen digitalen Kundenkanal.

Europa hat gegenüber den USA und auch gegenüber Ostasien einen großen Aufholbedarf bezüglich dominierender Plattformanbieter. Wichtige Erkenntnis des Erfahrungsaustausches war es, dass man mit der Umsetzung beginnen müsse, auch wenn man sich noch nicht vollkommen informiert fühle. Unter dem Motto „Machen – Machen – Machen“ sollte man nach der Festlegung strategischer Ziele voll in das Thema einsteigen.