Wenn Industrie 4.0 auf Lean trifft

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Die Teilnehmer der Veranstaltung „Factory Tour – Industrie 4.0 live erleben“ konnten sich bei IMI Precision Engineering vor Ort in Alpen darüber informieren, wie ein Unternehmen die beiden Themen „Lean“ und „Industrie 4.0“ umsetzt.

Wenn Industrie 4.0 auf Lean trifft

Mit seinem Veranstaltungsformat „Factory Tour – Industrie 4.0 live erleben“ will ProduktionNRW, das vom VDMA NRW durchgeführte Cluster Maschinenbau/Produktionstechnik, Teilnehmern unter anderem Anregungen für eigene Industrie 4.0-Projekte vermitteln. Die diesjährige vierte Factory Tour in Nordrhein-Westfalen fand am 12. September 2018 am Alpener Standort von IMI Precision Engineering statt.

Der Hersteller und Systemanbieter von Antriebs- und Fluidtechnik setzt bereits seit mehreren Jahren auf Industrie 4.0 und bringt digitalisierte Lösungen in den verschiedensten Unternehmensbereichen voran. Darüber hinaus ist die Produktion in Alpen mit ihren Lean-Prinzipien Klassenbeste der deutschen IMI Precision Engineering-Standorte.

Lean und Industrie 4.0 – geht das?

Sollte man sich eventuell ein schlankes Produktionssystem sparen und gleich auf die „Smarte Fabrik“ setzen? Der VDMA greift das Thema topaktuell in seinem Leitfaden „Industrie 4.0 trifft Lean“ auf. Die Veranstaltungsteilnehmer erfuhren im Auftakt-Vortrag, wie die bewährten Methoden des Lean-Managements sich durch Elemente der Digitalisierung ergänzen lassen. In seiner Präsentation ging Prof. Dr.-Ing. Stefan Braunreuther vom Fraunhofer IGCV auf die verschiedenen Grundarten von Produktionssystemen der letzten hundert Jahre ein. So verglich er unter anderem die schlanke Produktion mit der ganzheitlichen Produktion und zeigte die Verstärkungseffekte im Zusammenspiel mit der Digitalisierung auf.

„Lean-Management spielt bereits seit einigen Jahren in der Unternehmensgruppe IMI eine wichtige Rolle“, meint dazu auch Lean Managerin Eva Niemann. „Zu Beginn gab es Befürchtungen, dass Lean und Industrie 4.0 in Konkurrenz zueinander geraten könnten. Doch schnell wurde klar, dass sich die beiden Systeme nicht nur gut vereinbaren lassen, sondern zwingend zusammengehören. Lean liefert durch das Prozessverständnis und die Prozessoptimierung die Grundlage zur Implementierung von Industrie 4.0. Auf der anderen Seite lassen sich durch die Digitalisierung Prozesse aus dem Lean Management vereinfachen.“

So führt an den Montagearbeitsplätzen ein Werkerassistenzsystem die Mitarbeiter durch komplexe Montagen. Dabei werden Arbeitsweisen digital über ein Tablet erstellt, verarbeitet und allen zuständigen Personen zur Verfügung gestellt.

Die Fertigung von Pneumatikzylindern im Werk Alpen erfolgt im „One Piece Flow“. Bis 11.00 Uhr bestellte Zylinder können noch am gleichen Tag ausgeliefert werden. Der Status der Aufträge wird dabei in Echtzeit über Monitore in den Werkshallen visualisiert. Dies ermöglicht eine Erfassung des aktuellen Status in der Fertigung ohne zusätzliches Reporting.
„Aktuell nutzen wir die Visualisierungen sogar, um während einer Schicht die Auslastung von Montagezellen anzupassen“, erklärt der Werksleiter Torsten Norff. „Die Erfolge waren nach kurzer Zeit messbar und haben innerhalb weniger Monate sehr erfolgreich zur Reduzierung unserer Lieferzeiten beigetragen.“

Ein weiteres Beispiel für die Digitalisierung am Standort ist der Einsatz von kollaborierenden Robotern (COBOTs). Anlässlich der Werksführung „fütterte“ ein COBOT eine Bearbeitungsmaschine mit Werkstücken und betätigte mit seinem Greifer zusätzlich die Tastatur zum Start der Bearbeitung.

Mit seinen Initiativen spielt der Alpener Standort eine Vorreiterrolle zum Thema Industrie 4.0 in der europäischen IMI Precision Engineering-Organisation. Erfolgreich umgesetzte Industrie-4.0-Projekte werden entsprechend in anderen Werken des Unternehmens, möglichst als Standard, ausgerollt.

Geschäftsführer Torsten Norff resümierte zum Abschluss der Veranstaltung: „Um den Stand einer Smart Factory zu erlangen, muss man zunächst intelligent in die Digitalisierung einsteigen. Wir haben unseren Besuchern gezeigt, wie Lean-Managementmethoden - gestützt von Elementen der Digitalisierung – erfolgreich im Maschinenbau implementiert werden können. Wir sind auf dem Weg einer nicht endenden digitalen Reise. Dank der Lean-Philosophie können sich unsere Mitarbeiter Schritt für Schritt einbringen und so aktiv mit zur kontinuierlichen Verbesserung der Produktionsprozesse beitragen.“

Weitere Informationen
•    Innovationen made in NRW – Chancen der Digitalisierung
•    https://industrie40.vdma.org