Maschinenbauer brauchen offene Märkte

VDMA

Dr. Wiebke Esdar MdB, SPD-Bundestagsfraktion, im Gespräch zum Thema „Freihandel“ mit Wolf D. Meier-Scheuven, Geschäftsführer von Boge Kompressoren.

Offene Märkte und freier Handel ohne Barrieren sind von entscheidender Bedeutung für die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus. Insbesondere global agierende mittelständische Betriebe, darunter auch die häufig zitierten „Hidden Champions“, sind auf einen funktionierenden Freihandel angewiesen. Nur so können sie eine starke Position im internationalen Wettbewerb einnehmen und einen wichtigen Beitrag für Arbeitsplätze und Wohlstand in ihrer Region leisten. Das haben das Unternehmen Boge Kompressoren Otto Boge GmbH & Co. KG aus Bielefeld und der VDMA im Rahmen einer Betriebsbesichtigung gegenüber der Bundestagsabgeordneten Dr. Wiebke Esdar betont.

„Wir haben bei unseren Maschinen und Anlagen von Bielefeld aus eine Exportquote von 65 Prozent. Die Freiheit des internationalen Warenverkehrs ist für unser Unternehmen und unseren Standort hier lebenswichtig. Allerdings steigen durch weltweit wachsende Vorschriften die Betriebskosten im Rahmen der Exportabwicklung“, sagte Wolf D. Meier-Scheuven, Geschäftsführer von Boge Kompressoren.

Unterschiedliche Regelwerke behindern den Mittelstand

Im Gespräch mit Esdar erläuterte der mittelständische Unternehmer, der am Stammsitz in Bielefeld rund 470 Mitarbeiter beschäftigt, warum die "Hidden Champions" mehr Einsatz der Politik für den Freihandel erwarten.

„Wir exportieren aus Deutschland in über 120 Länder. Damit sind vielseitige Anforderungen und komplexe technische Regelwerke verbunden, die den Export nicht immer einfach machen. Maschinen für den US-amerikanischen Markt müssen wir beispielsweise mit extra Komponenten ausstatten. Das macht jede unserer Maschinen rund 5000 Euro teurer. Freihandelsabkommen sind vor diesem Hintergrund sehr wichtig, denn sie bauen sogenannte nichttarifäre Handelshemmnisse ab und machen uns somit wettbewerbsfähiger“, sagte Meier-Scheuven, dessen Unternehmen zu den weltweit führenden Anbietern von Kompressoren und Druckluftlösungen gehört.

„Statt Protektionismus und Abschottung, brauchen wir mehr internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit, denn ich bin zutiefst davon überzeugt, dass gerade auch internationale Handelsbeziehungen dazu beitragen können, dass Kriege unattraktiv werden. Aufgrund einer unsicher werdenden geopolitischen Lage wird dies für unsere internationale Politik bedeutsamer. Unser Ziel muss es sein, den Freihandel so auszugestalten, dass die Rechte der Arbeitnehmer gewahrt werden, die Qualitätsstandards der Verbraucher gestützt werden, ohne dass es dabei zu überflüssigen bürokratischen Hürden kommt. Darum ist der Dialog zwischen Unternehmen und Politik so wichtig“, erklärte Esdar im Gespräch.

Über 600.000 Arbeitsplätze im Maschinenbau vom Exportgeschäft abhängig

Ulrich Ackermann, Leiter der VDMA Außenwirtschaft, zeichnete das Bild etwas weiter und unterstrich die Bedeutung des Freihandels für den gesamten Maschinen- und Anlagenbau: „Der Maschinenbau aus Deutschland hat im Jahr 2017 rund 226 Milliarden Euro umgesetzt, die Exportquote liegt bei über 78 Prozent. Mehr als 600.000 Arbeitsplätze sind direkt vom Export abhängig. Daran wird deutlich, welch großen Stellenwert der Außenhandel für den industriellen Mittelstand hat.“

Hinzu komme, dass mittlerweile rund 35 Prozent des Exports in Länder mit hohen Einfuhrhürden gehe. „Freihandel braucht daher die klare Fürsprache in der deutschen Politik, denn es geht letztlich um Arbeitsplätze und Wohlstand in unserem Land. Protektionismus und Abschottung werden hingegen alle Marktteilnehmer im In- und Ausland zu Verlierern machen“, betonte Ackermann.