Industrieverantwortliche von Bund und Ländern an einem Tisch mit VDMA

VDMA

Die Maschinenbau-Experten aus Bund und Ländern diskutierten Mitte Juni in Nordrhein-Westfalen mit Vertretern der VDMA-Landesverbände aktuelle Branchenentwicklungen.

Der VDMA NRW steht regelmäßig im Dialog mit der Politik – wie zuletzt beim Treffen der Maschinenbaureferenten des Bundes und aller Bundesländer sowie der VDMA-Landesverbände. Diese jährlichen Diskussionsrunden bieten die Möglichkeit, länderübergreifend branchenspezifische Themen zu erörtern.

Zum einen informiert der Verband die Maschinenbau-Experten aus Bund und Ländern über aktuelle technologische sowie Marktentwicklungen und sensibilisiert für die Probleme der Branche. Gleichzeitig können sich die Teilnehmer über die Landesgrenzen hinweg austauschen.

Der diesjährige Meinungs- und Erfahrungsaustauschs fand am 12. und 13. Juni 2017 bei der EMG Automation GmbH in Wenden statt. Die Schwerpunkte orientierten sich an den derzeitigen unternehmerischen Herausforderungen, wie die konjunkturelle Situation, mögliche Szenarien und Auswirkungen des Brexit, die Wirtschafts- und Handelspolitik der US-amerikanischen Regierung sowie die Digitalisierungsaktivitäten der Bundesländer.

USA: Weiterhin gute Geschäftschancen

Ulrich Ackermann, Leiter der VDMA-Abteilung Außenwirtschaft, sprach über die handelspolitische Agenda der US-amerikanischen Regierung, die vorsieht, das US-Handelsdefizit verringern, Produktion ins Land zurückverlagern, bilaterale Abkommen anstelle multilateraler Abkommen zu schließen und die eigenen handelspolitischen Interessen aggressiv zu verteidigen.

Mithilfe der geplanten Steuerreform sollen zudem Arbeitsplätze geschaffen und die Wettbewerbsfähigkeit verbessert werden. Diskutiert wird darüber hinaus über eine Grenzsteuer, also Strafzölle auf die ins Ausland verlagerte Produktion sowie Importe generell.

„Made in America“ geht so schnell nicht

Die Maßnahmen einer abschottenden Wirtschafts- und Handelspolitik sind zweifellos besorgniserregend. Dennoch bestehen auch künftig gute Chancen für Aufträge. „Made in America geht so schnell nicht“, ist Ackermann überzeugt. Außerdem werden auch weiterhin viele US-amerikanische Branchen auf ausländische Technologien angewiesen sein.

Für den deutschen Maschinenbau waren die USA 2016 der wichtigste Handelspartner: mit Exporten von 16,3 Milliarden Euro (minus 2,9 Prozent) und Importen von 4,9 Milliarden Euro (minus 0,6 Prozent). Wie wichtig deutsche Maschinenlieferungen für den Wohlstand und Arbeitsplätze in den USA sind, zeigen allein diese Zahlen für das Jahr 2014:

  • 81.100 hochwertige Arbeitsplätze deutscher Unternehmen in den USA
  • 32,4 Milliarden Euro Umsatz deutscher Unternehmen in den USA
  • qualifizierte Aus- und Weiterbildung vor Ort


Großbritannien: Weiter wie bisher?

Nach der Entscheidung für einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union bleibt vorläufig alles beim Alten. Das Referendum ändert den Status Quo nicht. Großbritannien ist nach wie vor vollwertiges EU-Mitglied – auch gelten weiterhin die EU-Regeln rund um den Export nach Großbritannien, den Import von Gütern und Dienstleistungen aus Großbritannien sowie die Freizügigkeit von Arbeitskräften. Das betonte VDMA-Außenwirtschaftsexperte Ackermann.

Die Austrittsverhandlungen dauern 15 Monate und enden im Oktober 2018. Zusätzlich zum bilateralen Austrittsabkommen muss ein multilaterales Wirtschafts- und Statusabkommen verhandelt werden. Von Oktober 2018 bis Frühjahr 2019 folgt der Ratifizierungsprozess in den EU-Mitgliedstaaten. Falls sich die Verhandlungen verzögern, könnte Großbritannien jedoch auf den Status eines Drittlandes zurückfallen.

Unbürokratische Regelungen notwendig

Im Zusammenhang mit den Verhandlungen fordert der VDMA

  • einfache und unbürokratische Regeln eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und Großbritannien,
  • Ursprungsregeln, die sich an den bestehenden Ursprungsregeln in den Abkommen der EU mit den EFTA-Staaten oder den Mittelmeerstaaten orientieren,
  • den Erhalt etablierter Wertschöpfungsketten,
  • freien Zugang für Monteure deutscher Maschinenbauer nach Großbritannien sowie die Freiheit der Mitarbeiterentsendung in eigene Niederlassungen vor Ort und
  • die exportkontrollrechtliche Behandlung von Großbritannien analog der bereits bestehenden erleichterten Verfahren für die Schweiz, Norwegen, die USA, Japan etc.

Darüber hinaus muss Großbritannien zeitnahe bilaterale Vereinbarungen treffen und während des Übergangs gewährleisten, dass lokalen Unternehmen in Großbritannien keine Nachteile entstehen. Weitere VDMA-Forderungen beziehen sich auf technische Regulierungen, wie Gesellschaftsrecht, Urheberrecht, die Steuerpolitik und Investitionen.

Digitalisierung: Aktivitäten koordinieren

Neben den marktpolitischen Themen standen die Digitalisierungsstrategien der einzelnen Bundesländer im Fokus. Die Berichte verdeutlichten, dass die Länder verschiedene Ansätze und Schwerpunkte verfolgen. So setzen einige Bundesländer auf einen ganzheitlichen Ansatz, der die Gesellschaft, Verwaltung und Wertschöpfung einschließt. Andere konzentrieren sich auf Schwerpunktindustrien wie den Maschinenbau.

In der Praxis gibt es bereits zahlreiche Lösungen und Umsetzungsbeispiele. Die teils hektische Betriebsamkeit geht daher häufig an den Bedarfen der Betriebe und Forschungseinrichtungen vorbei. Umso wichtiger ist es, die Aktivitäten in den einzelnen Bundesländern zu bündeln und auf die tatsächlichen Erfordernisse vor allem der kleineren Unternehmen zu fokussieren.

Fortsetzung folgt

Die Teilnehmer profitieren in ihrer täglichen Arbeit von der Weiterbildungsveranstaltung und den länderübergreifenden Kontakten. Daher werden die Maschinenbau-Experten aus Bund und Ländern auch im kommenden Jahr die Chance nutzen, voneinander zu lernen.