Hidden Champions brauchen den Freihandel

VDMA

Alexander Graf Lambsdorff, Vizepräsident des Europäischen Parlaments, im Gespräch mit Dr. Olaf Weiland, Geschäftsführer des Bonner Unternehmens, Kautex Maschinenbau GmbH.

Offene Märkte und freier Handel ohne Barrieren sind von entscheidender Bedeutung für die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus. Insbesondere global agierende mittelständische Betriebe, darunter auch die häufig zitierten „Hidden Champions“, sind auf einen funktionierenden Freihandel angewiesen. Nur so können sie eine starke Position im internationalen Wettbewerb einnehmen und einen wichtigen Beitrag für Arbeitsplätze und Wohlstand in ihrer Region leisten.

„Wir haben bei unseren Maschinen und Anlagen eine Exportquote von fast 95 Prozent. Mit 85 Prozent gehen die meisten unserer Lieferungen in Länder außerhalb der EU. Freiheit des internationalen Reisens und des internationalen Warenverkehrs sind für uns lebenswichtig, ebenso wie offene und belastbare Transportwege“, sagte Dr. Olaf Weiland, Geschäftsführer der Kautex Maschinenbau GmbH.

Aufwendige und langwierige Genehmigungsverfahren blockieren den Mittelstand

Im Gespräch mit dem Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments, Alexander Graf Lambsdorff (FDP), erläuterte der mittelständische Unternehmer, der am Stammsitz in Bonn rund 500 Mitarbeiter beschäftigt, warum die „Hidden Champions“ mehr Einsatz der Politik für den Freihandel und für den Straßen- und Brückenbau sowie für die schnellere Erteilung von Transport- und Exportgenehmigungen erwarten.

„Wir beliefern unsere Kunden in über 35 Ländern der Welt aus Deutschland heraus. Schon in der Anbahnungsphase – und erst recht nach dem Vertragsabschluss – stehen fast alle dieser Projekte unter großem Zeitdruck. Langwierige Genehmigungsverfahren für Exportgenehmigungen können uns dabei genauso ausbremsen wie die Nichterteilung einer solchen Genehmigung“, sagte Weiland, dessen Unternehmen Weltmarktführer für Kunststoff-Blasformmaschinen ist.

Ähnliches gilt für Genehmigungen von Schwertransporten: „Lange Bearbeitungszeiten für Transportgenehmigungen behindern drastisch die Logistikprozesse der Unternehmen. Für die Unternehmen sind damit enorme Schwierigkeiten bei der Einhaltung von Termingeschäften verbunden, was zu möglichen Vertragsstrafen und letztlich auch einem Imageschaden führen kann“, äußerte sich Geschäftsführer Weiland.

So sieht es auch der Vizepräsident des Europäischen Parlaments Alexander Graf Lambsdorff: „Aus deutscher Sicht gibt es zu mehr Handel in neuen und offeneren Märkten keine Alternative. Denn eines darf man nicht vergessen: In den nächsten 20 bis 30 Jahren entstehen 90 Prozent der globalen Nachfrage außerhalb Europas. Wenn unsere Unternehmen also eine Chance haben wollen, von dieser Entwicklung zu profitieren, dann müssen wir als Politiker dafür sorgen, dass der Zugang zu diesen Märkten erleichtert wird. Das ist unsere Pflicht und Schuldigkeit, um sichere und gut bezahlte Jobs zu behalten und neue schaffen zu können. Zugleich gilt es, mit Handelsabkommen Bürokratie abzubauen, beispielsweise bei der Standardisierung von technischen Ausführungen. Gerade in der Schlüsselindustrie Maschinenbau kann dies zu mehr Rechtssicherheit, niedrigen Kosten und verbesserter Wettbewerbsfähigkeit für unsere Unternehmen beitragen.

600.000 Arbeitsplätze im Maschinenbau sind vom Exportgeschäft abhängig

Ulrich Ackermann, Leiter der VDMA Außenwirtschaft, betonte ebenfalls die Bedeutung des Freihandels und verwies auf die hohe Exportquote des Maschinen- und Anlagenbaus. „Der Maschinenbau aus Deutschland hat in 2016 etwa 220 Milliarden Euro umgesetzt, die Exportquote liegt bei rund 77 Prozent. Über 600.000 Arbeitsplätze sind direkt vom Export abhängig. Daran wird deutlich, welch großen Stellenwert der Außenhandel hat.“

Hinzu kommt, dass mittlerweile rund 35 Prozent des Exports in Länder mit hohen Einfuhrhürden geht. „Freihandel braucht daher die klare Fürsprache der Politik, denn es geht letztlich um Arbeitsplätze und Wohlstand in unserem Land. Protektionismus und Abschottung werden hingegen alle Marktteilnehmer zu Verlierern machen“, betonte Ackermann.