Stöbern und Lernen oder was hat die Butter mit Maschinenbau zu tun?

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Regelmäßig erkunden Kindergarten- und Grundschulkinder im Rahmen von Stöbertagen die Ausbildungswerkstatt von GEA Westfalia Separator Group GmbH in Oelde.

Der praktische Ansatz steht bei den Stöbertagen im Vordergrund: Ängste abbauen, Einblicke in das Arbeitsleben der Erwachsenen zu bieten und nebenher spielerisch naturwissenschaftliche Kenntnisse vermitteln.

Was 2010 als Pilotprojekt begann ist mittlerweile fest in der Nachwuchsförderung des Unternehmens verankert. Ausschlaggebend für die Planung und Umsetzung war die Idee, von klein auf der negativen Stigmatisierung von Technik und Naturwissenschaften entgegenzuwirken. „Das geht am besten durch das Erlebbarmachen von naturwissenschaftlichen Phänomenen vor Ort im Betrieb“, erklärt Ausbildungsleiter Heinz-Josef Westbomke den Hintergrund der Stöbertage.

Perspektivenübernahme

Von Beginn an wurden die GEA-Auszubildenden mit in das Projekt involviert. Sie konzipieren die jeweiligen Stöbertage zusammen mit ihrem Ausbildungsleiter und überlegen sich altersgerechte Arbeiten und Versuche für die teilnehmenden Kinder. Die Azubis haben die Aufgabe, die Projekte für die in der Regel 15 bis 20 Kinder vorzubereiten, durchzuführen, zu betreuen und nachzubereiten. Sie besorgen die nötigen Utensilien und bereiten die Arbeitsplätze bzw. Versuchsanordnungen so vor, dass sich keiner verletzt und jeder gut mitmachen kann.

„Wir beobachten durch die Stöbertage einen Zugewinn an Persönlichkeitsentwicklung bei unseren Azubis. Durch das Einlassen auf eine neue, unerfahrene Zielgruppe sind die Azubis gefordert, neue Perspektiven einzunehmen. Sie müssen die Lerninhalte passend für das noch sehr junge Publikum aufbereiten, erklären und gemeinsam mit ihnen praktisch arbeiten. Das schult die soziale Kompetenz. Darüber hinaus sind sie für unsere kleinen Besucher, aufgrund ihres jungen Alters, sehr glaubwürdige Vorbilder“, erklärt Westbomke die Strategie hinter dem Konzept. „Wir brauchen Leute, die über ihr Fachwissen hinaus über soziale Kompetenz verfügen.“

Mitarbeiten in der Ausbildungswerkstatt

Praktisch umgesetzt heißt das: Um den Jungen und Mädchen das Prinzip der mechanischen Trenntechnik näherzubringen und zu zeigen, wie Flüssigkeiten aufbereitet werden können, dürfen die Kinder Experimente rund um die Zentrifugalkraft durchführen.

Mit einer Haushaltssalatschleuder können die Kinder selbst erforschen, wie sich Flüssigkeiten und Stoffe trennen lassen. Sie dürfen mit einem Handseparator Rahm von frischer Rohmilch trennen und den gewonnenen Rahm zu Sahne und Butter schlagen – und zu guter Letzt verkosten.

Ein weiterer Aktionspunkt für die Kinder ist der Bau eines kugelgelagerten Drehkreisels.

„Wir durften den Drehkreisel sogar mit nach hause nehmen“, erinnert sich der kleine Fabian stolz an seinen Stöbertag, den er letztes Jahr mit der Edith-Stein-Grundschule in Oelde bei GEA Westfalia Separator durchgeführt hat.

Beim Arbeiten in der Ausbildungswerkstatt hatte jeder Azubi mit einem Grundschulkind in Rahmen einer 1:1-Betreuung einen kugelgelagerten Drehkreisel erstellt. Dazu erklärten die Azubis kurz die Arbeitsschritte und härteten dann mit ihrem Schützling zusammen Kugeln, bohrten Bauteile, drehten, montierten und gravierten alle Teile zu einem kleinen Drehkreisel.

Die besten Erfolge erzielt man, wenn man die eigenen Azubis in die Nachwuchsgewinnung mit einbezieht, denn diese sind für die Jugendlichen viel  glaubwürdiger und authentischer. Anstatt auf ganze Schulklassen sollten man sich auf einzelne Interessierte konzentrieren.

Unsere Erfahrungen mit den Stöbertagen sind durchweg positiv“, resümiert Westbomke. „Obwohl das grundsätzliche Interesse vorhanden ist, beschäftigten sich Grundschüler viel zu selten intensiv mit Technik. Dabei kann das Fördern der kindlichen Freude am Konstruieren und Tüfteln dazu führen, dass  das Technikinteresse im weiteren Lebensweg bestehen bleibt und Talente zum Vorschein kommen, die die Berufswahl beeinflussen können. Bei uns sehen sie, wie ein Produkt entsteht und verstehen den Zusammenhang der einzelnen Schritte.“

Bildquelle : GEA Westfalia

Grothof, Ina
Grothof, Ina