Beruf macht Schule macht Zukunft

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Ausbildungsinitiative westfälischer Unternehmen bietet Abiturienten des Loyola-Gymnasiums aus dem Kosovo eine berufliche Perspektive.

Die Ausbildungsinitiative besteht seit 2008. Aus der Taufe gehoben wurde sie damals vom jetzigen Direktor des Gymnasiums, Jesuitenpater Walter Happel SJ. Maschinenbauer aus Westfalen wie Beumer Group GmbH & Co. KG, GEA Group, Haver & Boecker oHG, Münsterland Engineering GmbH und Thyssen-Krupp Industrial Solutions AG, haben die Initiative von Anfang unterstützt und nehmen seit einigen Jahren Abiturienten des Loyola-Gymnasiums in Prizren als Auszubildende auf.

Das Loyola-Gymnasium ist ein privates, staatlich anerkanntes, klassisches Gymnasium mit Internat für Jungen und Mädchen. Es besteht seit zehn Jahren. Jährlich legen hier rund 100 von 700 Schülern das deutsche Sprachdiplom ab. Landesweit weist das Loyola-Gymnasium schon seit Jahren die besten Schulabschlüsse auf.

Die Auszubildenden rekrutieren sich aus einem Kreis interessierter Schüler, die sich nach Informationsgesprächen um einen Ausbildungsplatz bewerben. Danach bieten Firmenvertreter ausgewählten Kandidaten ein zweiwöchiges Praktikum an, in dem sie das künftige Tätigkeitsfeld näher kennenlernen. In der Regel wird allen geeigneten Schülern eine Ausbildung angeboten, die sie gemeinsam mit ihren deutschen Ausbildungskollegen jeweils im August eines Jahres starten.

Win-Win für beide Seiten

Für beide Seiten, Unternehmen und Auszubildende, ist die Ausbildungsinitiative eine Win-Win-Situation: Die deutschen Unternehmen können nicht immer ihren Bedarf an motivierten und gut ausgebildeten Auszubildenden decken. Umgekehrt können die Jugendlichen aus dem Kosovo hier eine fundierte Ausbildung erhalten, Auslandserfahrung sammeln und für sich selbst eine Zukunftsperspektive entwickeln.

Was sich so einfach anhört, ist aber nicht immer so einfach, erklärt Alfons Tentrup, Ausbildungsleiter bei der Haver & Boecker oHG: „Wir müssen bei der Visabeschaffung bürokratische Hürden nehmen oder nachweisen, dass der Bedarf an Azubis nicht mit Deutschen oder EU-Bürgern gedeckt werden kann.“

Während der Ausbildung müssen die Kosovaren dann die Herausforderung des Lernens auf Deutsch meistern. „Diese zusätzliche Belastung bewältigen sie aber mit großem Engagement“, so Tentrup. Ausgebildet werden Mechatroniker, Industriemechaniker, Elektroniker und Technische Produktdesigner. Zudem gibt es für besonders Begabte und Interessierte die Möglichkeit, ein ausbildungsbegleitendes Studium mit Bachelorabschluss zu absolvieren. Im Schuljahr 2014/2015 wurden 14 Abiturienten des Loyola-Gymnasiums in Ausbildungen vermittelt.

„Nach dem Krieg 1999 hat der Kosovo immer noch eine unsichere Zukunft. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung beträgt 25 Jahre, und die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei über 56 Prozent“, erläutert Tentrup, die Situation im Kosovo. „Es fehlt an organisierter beruflicher Ausbildung, der diese Ausbildungsinitiative ein kleines Stück weit entgegensteuern soll.“

Erfolg erreicht weitere Industriezweige

Mittlerweile hat sich der Erfolg dieser Ausbildungsinitiative herumgesprochen und das Spektrum der Ausbildungen bei Partnern anderer Industriezweige konnte um zusätzliche Berufsbilder erweitert werden. Interessierte Schüler können  jetzt auch zu IT-Kaufleuten, Zahnarzthelfern, Bankkaufleuten, Gesundheits-, Kranken- oder Altenpflegern ausgebildet werden.

Im Januar 2015 wurde das Loyola-Gymnaiums im Auswärtigen Amt in Berlin mit dem zweiten Preis im Wettbewerb „Beruf macht Schule“ ausgezeichnet. Dieser mit 5.000 Euro dotierte Preis des Auswärtigen Amtes zeichnet Angebote zur Berufsorientierung aus, die deutsche Auslandsschulen ihren Schülern bieten.

Weitere Informationen

Bildquelle : Kompetenzzentrum Technik Diversity Chancengleichheit eV

Grothof, Ina
Grothof, Ina