Neue Rollen probieren

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Die Phoenix-Kids sind eine Gruppe von Jugendlichen mit schwierigen Biografien, denen in den Betriebsräumen der Beumer Group ein Raum gegeben wird, sich außerhalb ihres Umfeldes zu entfalten.

Ein Mal pro Woche arbeiten die Jugendlichen für zwei Stunden in den Betriebsräumen der Beumer Group GmbH & Co. KG, die jungen Menschen Einblicke in ihre berufliche Zukunft gibt.

Das Projekt Phönix Kids führt die Stadt Beckum in Kooperation mit Industrieunternehmen durch. Ausschlaggebend für die Teilnahme von Beumer war, dass immer mehr Jugendliche den Anforderungen an Berufsausbildungen nicht mehr gewachsen sind. Mittlerweile umfasst die Gruppe acht männliche Teilnehmer zwischen elf und vierzehn Jahren.

Kooperationen erleichtern Projektarbeit
„Wir hätten nie gedacht, dass sich das Projekt so gut entwickelt“, erinnert sich Michael Dilla, Leiter der technischen Berufsausbildung bei Beumer, an die Anfänge der Phönix Kids. „Mittlerweile ist es so gut etabliert, dass die Jungen stolz sind, zu den ‚Phönix Kids‘ zu gehören.

Uns rufen sogar Eltern an und bitten uns um eine Teilnahme ihrer Kinder.“ Beumer kooperiert mit vielen kleinen und mittelständischen Betrieben in und um Beckum herum. Das erleichtere die Planung und die Umsetzung der Projekte.

Bildungspolitik nicht delegieren 
Gute Bildungspolitik kann nicht delegiert werden, sondern es kommt darauf an, eigene Wege zu gehen. Die Förderung Benachteiligter ist dabei ebenso wichtig, wie die Unterstützung begabter junger Menschen. Für die Begabten etwas zu tun, ist verhältnismäßig einfach. Aber besonders Menschen, die nicht auf der Sonnenseite stehen, müssen Chancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnet werden. Das Projekt zeigt, dass eine mangelnde Ausbildungsreife durch gezielte Förderung neue Chancen eröffnen kann. Je früher diese Unterstützung ansetzt, desto größer ist die Chance, etwas zu verändern.

Auszubildende werden zum Vorbild
Betreut werden die Phönix Kids von Mitarbeitern des Jugendamts der Stadt Beckum sowie von Beumers Auszubildenden. Diese lernen durch das Engagement, Menschen nicht vorzuverurteilen und gleichzeitig, ihre sozialen Kompetenzen zu stärken. Die Azubis werden intensiv mit einbezogen und durch ihre Altersnähe zu den Phönix Kids zum direkten Vorbild.

Mit den vielfältigen methodischen Möglichkeiten des Ausbildungszentrums entwickeln die Jugendlichen Freude am gemeinsamen Bauen und Konstruieren. Die Projekte, die die Phönix Kids umsetzen, haben sozialen Charakter. So arbeiten sie an Projekten für benachteiligte Gruppen und haben etwa ein Fitnessgerät für ein Seniorenheim oder den Innenausbau eines Spielebauwagens für einen Kindergarten umgesetzt.

Raum für Entwicklung geben
„Unsere Arbeit vereint Elemente aus Persönlichkeitsbildung, sozialem Engagement, Qualifizierung und Erlebnispädagogik“, erklärt Jörg Stelten, Jugendamt Beckum das pädagogische Konzept. „Jeder Jugendliche braucht Raum, um sich außerhalb von Schule und Familie zu entfalten. Unser Projekt hilft, aus festgefahrenen Rollenklischees auszubrechen und sich außerhalb eines problematischen Umfeldes zu entwickeln.“

Die Arbeit mit den Phönix Kids vermittelt den Jungen Schlüsselqualifikationen, wie soziale Kompetenz, Durchhaltevermögen, Problemlösungskompetenz und Teamarbeit. Gerade in Bezug auf Konfliktverhalten bietet das Projekt die Chance, neues Verhalten auszuprobieren, und ein neues Selbstbewusstsein zu entwickeln. Erfolge, die die Jugendlichen in der Gruppe erleben, stärken sie und durch im Projekt durchlebte Niederlagen können sie Probleme im Alltag auch besser lösen. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, mindestens 50 Prozent der Projektteilnehmer einen Ausbildungsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln und dadurch eine echte Perspektive für die Zukunft zu geben“, sagt Dilla.
 

Bildquelle : Beumer Group

Grothof, Ina
Grothof, Ina