Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf

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Wie die Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf aus der Sicht junger Menschen aussieht  wurde am 19. September 2014 bei PFREUNDT GmbH in Südlohn diskutiert.

Unter dem Titel „Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf aus der Sicht junger Menschen“ diskutierten am 19. September 2014 Dr. Hildegard Kaluza vom Familienministerium NRW und Sonja Schaten vom Kompetenzzentrum Frau & Beruf (Competentia NRW) als Ansprechpartnerin für den Kreis Borken mit Anja Schemmick, Prokuristin und weiteren jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der PFREUNDT GmbH als gastgebendem Unternehmen Aspekte und Problemstellungen rund um Elternzeit, Kinderbetreuung, Aus- und Weiterbildung, Gesundheitsprävention, Lebensarbeitszeit und Altersvorsorge.

Im mit über 80 Gästen besuchten Publikum waren Vertreter aus Politik und Wirtschaft, aus Vereinen und Verbänden sowie Mitarbeiter aus dem eigenen und befreundeten Unternehmen. Die Veranstaltung fand im Rahmen der VDMA - Aktionswoche zur unternehmerischen Verantwortung „Wir unternehmen was“ statt.

Ludger Wissing, Geschäftsführer der PFREUNDT GmbH, forderte einleitend in die Diskussion „weniger Bürokratismus, weniger Auflagen, weniger Zwang aber mehr Verlässlichkeit seitens der Politik.“ Die aktuelle Elternzeitregelung kritisierten Diana Hobbold und Anja Schemmick – die aktuell selbst wegen der Erziehung ihrer Kinder in Teilzeit arbeiten – als „zu wenig flexibel“ und Markus Fieber  fühlt sich als junger Vater verunsichert: „Die Bedingungen und Möglichkeiten sind viel zu undurchsichtig.“

„In NRW nimmt derzeit nur jeder fünfte Mann die Elternzeit in Anspruch, womit das Land im Bundesvergleich das Schlusslicht ist“, so Kaluza. Das geforderte Mehr an Flexibilität solle mit dem neuen „Elterngeld plus“ erreicht werden. Die Elternzeit sei finanziell nicht uninteressant, sagte sie weiter. „Viele Eltern sagen aber, dass die Arbeitsbedingungen noch nicht stimmen und verzichten daher auf ein zweites Kind.“  

„Das Zurechtfinden in den Reglungen ist extrem schwierig“, stimmte Schaten zu und befürchtet: „Durch die neuen Regelungen könnte das eher noch komplizierter werden.“ Aus dieser Diskussion nehme sie mit, dass die Angebote transparenter  sein müssen.

„Für Auszubildende ist oft die Infrastruktur in den ländlichen Regionen ein Problem, insbesondere für Jugendliche, die noch keinen Führerschein bzw. kein eigenes Auto haben. Einerseits ist ein eigenes Auto – wenn ein Führerschein vorhanden ist – für viele Azubis ohne Unterstützung der Eltern kaum tragbar, andererseits gibt es oft keine geeigneten öffentliche Verkehrsmittel, um die Ausbildungsbetriebe erreichen zu können“, so Tobias Hoge, Auszubildender als Fachinformatiker, der zwischen Heek und Südlohn pendelt.

In Sachen Kinderbetreuung fordert Kaluza die Unternehmen auf, „mehr Möglichkeiten durch Gleitzeit, Arbeiten im Home Office etc. zu schaffen“, um mehr Flexibilität zu erreichen. Die Frage nach dem Stellenwert des Familienministeriums in der Politik gab Kaluza an die Allgemeinheit zurück: „Welche Anerkennung hat die Familie in der Gesellschaft? Hier sind andere Länder weiter vorne als Deutschland, entsprechend sind in der politischen Debatte auch andere Bereiche weiter vorne.“

Zum Thema Gesundheit am Arbeitsplatz wies Karin Otto-Höper vom Südlohner Gemein-demarketing „SOMIT“ auf die Akademie für Sicherheit, Gesundheit und Bildung in Heek hin, die für das betriebliche Gesundheitsmanagement vielfältige Angebote im Programm hat.

In ihrem Schlusswort sagte Kaluza: „Wir als Land klemmen uns dahinter, dem Wandel gerecht zu werden. Man muss aber auch den Mut haben, die Interessen der Kinder im Blick zu haben. Außerdem ist es Zeit, dass Männer die Entscheidung für die Elternzeit treffen und das auch einfordern, um den kulturellen Wandel anzuschieben.“

Weitere Informationen
•    www.pfreundt.de
•    www.wir-unternehmen-was.de
 

Petereit, Annette
Petereit, Annette