Podiumsdiskussion auf der Hannover-Messe (HMI)

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Vertreter aus Politik und Wirtschaft diskutierten auf der Hannover Messe Industrie über die besonderen Stärken und Herausforderungen des Industriestandortes Nordrhein-Westfalen. Ergebnis: NRW kann auch künftig zu den erfolgreichsten Industrienationen Europas gehören. Hierzu gilt es allerdings, noch stärker als bislang in  branchenübergreifenden Wertschöpfungsketten und Netzwerken zu agieren.  

Unter dem Motto „Erfolgreiche Wertschöpfungsketten in NRW – Gemeinsam sind wir stark“ präsentierte ProduktionNRW seine schon traditionelle Veranstaltung zum Auftakt der Hannover Messe Industrie auf dem Gemeinschaftsstand NRW.  Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren Karl-Uwe Bütof, Ministerialdirigent im NRW-Wirtschaftsministerium, Hasan Canti, Geschäftsführer der Grip Handhabungstechnik GmbH, Dr. Johannes Gernandt, Assistent des VDMA-Geschäftsführers, sowie Wolf D. Meier-Scheuven, Geschäftsführer der BOGE KOMPRESSOREN GmbH & Co. KG und zugleich Sprecher des Clusters ProduktionNRW.

Erfolgsfaktor Vernetzung

Der Industriestandort Nordrhein-Westfalen besticht wie kein anderer in Europa durch eine besondere Vielfalt von Unternehmen auf engstem Raum. Das gilt für die Unternehmensgröße – vom Konzern bis zum kleinen Mittelständler – ebenso wie für den Branchenmix.

„Diese Konstellation ist wie gemacht für das erfolgreiche Agieren in branchenübergreifenden Wertschöpfungsketten und Netzwerken“, betonte Wolf D. Meier-Scheuven in seinem Eingangsstatement. Als Paradebeispiel nannte er den Maschinenbau, der – im engen Austausch mit leistungsfähigen Unternehmens- und Forschungspartnern vor Ort – neue Marktchancen entlang der Wertschöpfungskette für sich erschließen kann.     

Solche Kooperationen werden künftig nochmals an Bedeutung gewinnen – gerade auch auf internationaler Ebene. Dr. Johannes Gernandt  stellte hierzu Ergebnisse einer gemeinsamen Studie der Branchenverbände VDMA, VCI und der Wirtschaftsvereinigung Stahl vor. Demnach arbeiten Unternehmen heute insbesondere in innovationsnahen Netzwerken eng und erfolgreich zusammen. Aber auch Einkauf und Vertrieb sind immer häufiger Inhalt gemeinsamer Aktivitäten.

NRW-Politik stärkt Netzwerke und Wertschöpfung

Doch immer noch gibt es auch viele Unternehmen, die quasi im Alleingang agieren und dadurch Innovations- und Wettbewerbschancen vergeben. „Diese brachliegenden Kooperations- und Netzwerkpotenziale mit Leben zu füllen, ist unser ausdrückliches politisches Ziel,“ so Karl-Uwe Bütof:  „Im Rahmen unserer Cluster- und Leitmarktstrategie „ExzellenzNRW verfolgen wir das Thema Cross-Innovationen intensiv. Das heißt, unsere insgesamt 16 Landescluster arbeiten eng miteinander, um Zukunftsthemen zu identifizieren, das Arbeiten in Wertschöpfungsketten zu organisieren und Marktpotenziale zu erschließen und dadurch letztlich die Innovationsdynamik zu erhöhen.“

Diese branchenübergreifende Ausrichtung folgt aus der Überzeugung, dass marktfähige Zukunftsinnovationen insbesondere an den Schnittmengen mehrerer Branchen entstehen, die bisher kaum miteinander verknüpft waren. Dies zeigt sich am Beispiel der Elektromobilität. Hier arbeiten Auto- und Maschinenbauer ebenso zusammen wie die Chemieindustrie zur Entwicklung leistungsfähiger Batterieflüssigkeiten, die Kunststoffindustrie in Sachen Leichtbau und die Energieversorger, wenn es darum geht, eine adäquate Infrastruktur aufzubauen. Solche Beispiele für ein branchenübergreifendes Miteinander gibt es viele. Sie werden die Wertschöpfung am Standort NRW weiter voranbringen.

Besondere Kooperationskultur im Mittelstand

Besonderer Treiber sind hier die Unternehmen des industriellen Mittelstandes. Denn sie sind oftmals besonders stark in Wertschöpfungsketten und Netzwerke eingebunden, wie sich am Beispiel der Grip GmbH Handhabungstechnik aus Dortmund zeigt. Geschäftsführer Hasan Canti: „Unsere Wertschöpfung ist seit jeher geprägt von Kooperationen – sei es mit Hochschulen, mit Zulieferern oder auch im Vertrieb. Angst vor einem  solchen Miteinander hatten wir nie. Vielmehr sehen wir die Chancen, die damit für uns verbunden sind.“   

Insgesamt bestand unter den Diskussionsteilnehmern Einigkeit darin, gerade beim Thema Innovation offen zu sein für eine engere Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette. Dies gilt umso mehr, als Markterschließung und Technologiemanagement – gerade für mittelständische Unternehmen – immer schwieriger werden. Die Globalisierung schreitet voran, neue attraktive Märkte rücken in den Blickpunkt. Diese wollen adäquat und zielgruppenspezifisch bedient werden. Gleichzeitig treten neue, kostengünstige Wettbewerber auf den Plan, die wir mit größten Innovationsanstrengungen auf Abstand halten müssen. Untern dem Strich wird unser Geschäft immer komplexer. Da ist es gut, wenn man auf starke Partner und enge Netzwerke in NRW bauen kann.   

Auf dieser breiten Basis wird sich die industrielle Wertschöpfung in NRW nicht nur erhalten, sondern  im Hinblick auf neue Herausforderungen wie Globalisierung und Energieeffizienz sogar nochmals ausbauen lassen. Davon zeigten sich die Teilnehmer am Ende der Diskussionsrunde überzeugt.

Bildquelle : VDMA