Technik, Recht und Budget in Einklang bringen

26.11.2013 | id:2716960

In den Räumen der Aloys F. Dornbracht GmbH & Co. KG begrüßte Diplom-Ingenieur Andreas Becker die fast 40 Teilnehmer mit eindringlichen Worten: „Das Thema wird immer dringender", stellte der Technologiescout des Transferverbundes Südwestfalen fest und fügte an: „Innovation bedeutet Investition, und es ist für eine Volkswirtschaft fatal, wenn einige sich an den Entwicklungskosten nicht beteiligen, aber am Erfolg teilhaben."

Die wirtschaftlichen Konsequenzen der Produkt- und Markenpiraterie führte Christine Lacroix von der Aktion Plagiarius e.V. den Teilnehmern vor Augen. Demnach beläuft sich der Anteil von Fälschungen, Plagiaten und Raubkopien am Welthandel auf fünf bis sieben Prozent und betrifft von der Kniebandage bis zur Motorsäge eine Vielzahl von Produktgruppen. „Allein in Deutschland beträgt der Schaden laut aktuellen Studien jährlich rund 50 Milliarden Euro, weltweit sind es mehrere Hundert Milliarden", sagte Lacroix, deren Verein die skrupellosen Geschäftspraktiken der Plagiatoren noch weiter ins Bewusstsein der Öffentlichkeit bringen will und jährlich zur Abschreckung den Negativpreis „Plagiarius" vergibt. Die Expertin wies darauf hin, dass die Nachahmer inzwischen in einem hochprofessionellen Netzwerk aus Herstellung, Logistik und Vertrieb kooperieren und die Plagiate unter zum Teil menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen entstehen. Qualität und Sicherheit der Produkte spielten in den Fälscherwerkstätten keine Rolle, sagte Lacroix.

Welche Erfahrungen das Unternehmen Dornbracht im Umgang mit Plagiaten gemacht hat, berichtete Uwe Dietrich, Leiter des Bereichs Technologie und Innovation aus erster Hand. „Einige unser Produkte sind bereits hundertfach kopiert und gefälscht worden“, so Dietrich. Mittlerweile geht der Armaturenhersteller öffentlichkeitswirksam gegen Ideenklau vor. So lässt das Unternehmen auf Messen mit Hilfe des Zolls, eines Patentanwalts und dem hauseigenen „Risk-Manager“ alle Plagiate und Fälschungen von den Ständen der Konkurrenz entfernen und verbieten. „Es ist wichtig zu zeigen, dass man sich nichts gefallen lässt“, zeigte sich Dietrich entschlossen im Kamp gegen die Fälscher.

Wie sich ein Unternehmen vor Produktpiraterie schützen kann, zeigte Franz-Anton Schröder, Geschäftsführer von der A. Schröder & Söhne GmbH u. Co. KG aus Sundern. Gemeinsam mit Dr. Hubert Paulus vom Institut für Wissens- und Technologietransfer (TWS) an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest hat das Unternehmen einen technischen Plagiatsschutz entwickelt, der eine Produktkennzeichnung mit eindeutigem Herstellernachweis ermöglicht. Dabei wird ein Code unter der üblichen Druckschicht versteckt auf einem Metallschild aufgebracht. Will man diesen entziffern, muss das Schild gezielt beschädigt werden. „Passt dieser Code dann nicht zu den Informationen des Herstellers oder befindet sich gar keine Kennzeichnung darauf, handelt es sich vermutlich um eine Fälschung“, erklärte Schröder. Dass der Code nicht einfach ausgelesen werden kann, ohne das Schild zu zerstören, hat Paulus mit umfangreichen Versuchsreihen und Belastungstest gezeigt. „Wir haben das Schild unter dem Mikroskop betrachtet, um mögliche Konturen in der obersten Druckschicht sichtbar zu machen, mit Ultraschall untersucht, geröntgt und mit Infrarotlicht bestrahlt, um den verborgenen Code auf diese Weise aufzuspüren – alles ohne Erfolg“, erklärte Paulus.

Abschließend berichtete Steffen Zimmermann vom Verband Deutscher Maschinenund Anlagenbau e.V. (VDMA) über Initiativen, Projekte und technische Lösungsansätze des Verbandes und seiner Mitglieder zur Aufdeckung und Bekämpfung von Produktpiraterie. Wichtig sei es, den richtigen Mix an verschiedenen Schutzsystemen für seine Produkte zu finden. „Es ist auf jeden Fall empfehlenswert, es den Fälschern mit mehreren parallel angebrachten Systemen so schwer wie möglich zu machen“, so der VDMA-Experte. Neben den verschiedenen Möglichkeiten zur Produktkennzeichnung bieten sich konstruktive Maßnahmen, Technologien zur Nachverfolgung und die Embedded Security an. Trotz allem sollte der Aufwand natürlich in einem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen und zum Produkt stehen“, so Zimmermann weiter. In einem Punkt waren sich die Anwesenden abschließend einig: Das wichtigste Mittel im Kampf gegen die kriminellen Machenschaften der Fälscher ist es, immer einen Schritt schneller zu sein als die Konkurrenz und ständig neue Produkte und Innovationen auf den Markt zu bringen. „Indem wir die Produktpiraten ständig vor neue Herausforderungen stellen, nehmen wir ihnen die Chance mit ihren Kopien Profit zu erzielen“, fasste Uwe Dietrich die wichtigste Strategie der Firma Dornbracht zusammen.

Lieferten den Teilnehmern geballte Expertise im Kampf gegen Produktpiraterie: Dr.Hubertus Paulus (Institut für Wissens- und Technologietransfer der Fachhochschule  Südwestfalen, Standort Soest (TWS)), Franz-Anton Schröder (Geschäftsführer A. Schröder & Söhne GmbH & Co. KG), Christine Lacroix (Geschäftsführerin, Aktion
Plagiarius e.V.), Uwe Dietrich (Leiter Technologie und Innovation, Aloys F. Dornbracht GmbH & Co. KG), Andreas Becker (Technologiescout, Transferverbund Südwestfalen),  Steffen Zimmermann (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA))

Bildquelle : GWS, Gesellschaft zur Wirtschafts- und Strukturförderung Märkischer Kreis mbH

Fürstenau, Brigitte
Fürstenau, Brigitte