08.04.2013 - HMI: Podiumsdiskussion „Gemeinsam sind wir stark – Russland: Markt und Kooperationspartner“

08.04.2013 | id:1358926

Unter dem Motto „Gemeinsam sind wir stark – Russland: Markt und Kooperationspartner" diskutierten NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin, Christian Wolf, Geschäftsführer der Hans Turck GmbH & Co. KG und Ulrich Ackermann, Leiter der VDMA Außenwirtschaft unter der Moderation von Wolf D. Meier-Scheuven, Geschäftsführer der BOGE KOMPRESSOREN GmbH & Co. und Clustersprecher ProduktionNRW. Die Podiumsdiskussion wurde von ProduktionNRW organisiert und fand traditionell am Nachmittag des ersten Messetags auf dem NRW-Gemeinschaftsstand statt.

Die Podiumsdiskussion als ein erstes Highlight auf dem nordrhein-westfälischen Gemeinschaftsstand ProduktionNRW fokussierte in diesem Jahr auf Entwicklungen, Chancen und Herausforderungen im Partnerland Russland und unterstrich die Bedeutung dieses Marktes für den Maschinen- und Anlagenbau.

Russland bleibt ein wichtiger Markt

Export und Internationalisierung haben für den deutschen Maschinenbau eine hohe Bedeutung. Russland ist dabei einer der Top Märkte für den deutschen Maschinenbau. Mit einem Exportvolumen von rund 8 Milliarden Euro, davon 1,6 Mrd. aus NRW, ist Russland aktuell auf Platz vier der Exportmärkte. Eine große Anzahl deutscher Maschinenbauer ist mit eigenen Niederlassungen in Russland präsent.

In seinem einführenden Vortrag zeigte Ulrich Ackermann, Leiter der VDMA-Außenwirtschaft, das Volumen und die positive Entwicklung der Geschäftsbeziehungen auf. Eine besondere Entwicklung sieht er im Automobilbau: „Russland überholt Deutschland als größter PKW Absatzmarkt Europas binnen der nächsten zwei bis drei Jahre und bei Nutzfahrzeugen ist Russland bereits der zweitgrößte Markt Europas". Er betonte, dass Maschinenbau in Russland in der Fläche vertreten sei. Sein Rat an die Unternehmen: „Wenn du nach Russland willst, geh nach Moskau. Wenn du Technologie verkaufen willst, mit denen Autos hergestellt werden, dann geh' in die Regionen".

Positive und dynamische Entwicklung der Beziehungen

Deutschland ist der wichtigste Handelspartner Russlands. Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen stehen für Qualität und Innovation. Neben intensiven Wirtschaftsbeziehungen gibt es einen „engen kulturellen und bildungspolitischen Austausch", so Wirtschaftsminister Duin. Beispielhaft nannte er jährlichen Studentenaustausch zwischen Hochschulen aus Köln und aus St. Petersburg.

Christian Wolf berichtete über die Entwicklung im Bereich der industriellen Automation, die insbesondere im Prozess der Modernisierung der russischen Industrie von Bedeutung ist. Sein Unternehmen ist bereits in Russland engagiert. Der russische Markt sei „ein Eldorado für Unternehmen der Automatisierungstechnik mit einer Internationalisierungsstrategie".

Veränderungen als Chance

Die russische Regierung will mit einem Programm zur „Entwicklung der Industrie und Erhöhung ihrer Konkurrenzfähigkeit bis 2020" einen weiteren Schritt machen. Dazu wird in Produktionsmittel investiert und die russische Industrie modernisiert. Neben der Fahrzeugherstellung wird insbesondere der Werkzeugmaschinensektor davon profitieren. Weitere Programme gelten der Infrastruktur, dem Schwermaschinenbau und den Umwelttechnologien. Durch den Beitritt zur WTO, den Russland als letztes G-8 Land im Sommer 2012 vollzogen hat, erwarten alle Diskussionsteilnehmer weitere positive Effekte.

Eine aktuelle VDMA Umfrage belegt das große Interesse des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus, sein Engagement in Russland weiter auszubauen – sowohl im Hinblick auf Vertriebs- und Servicestrukturen als auch im Hinblick auf Produktion und Montage vor Ort.

Herausforderungen und Unterstützung

Dabei können Unternehmen auf verschiedene Unterstützungsangebote zurückgreifen. Garrelt Duin verweist hier insbesondere auf die Landesgesellschaften NRW.International und NRW.Invest, die zahlreiche Aktionen durchführen. So startet z.B. am 23. Juni eine Unternehmerreise nach Wladiwostok, dem russischen Tor nach Südostasien, und Chabarowsk, einem industriellen Zentrum des russischen Fernen Ostens.

Auch der VDMA begleitet seine Unternehmen mit Expertennetzwerken, Informationen und einem Verbindungsbüro in Moskau. Besondere Herausforderungen liegen laut Ackermann „z.B. in neuen technischen Reglements und in protektionistischen Einzelmaßnahmen wie Schutzzöllen auf Mähdrescher oder Recyclinggebühren für bestimmte Produkte".

Für die Industrie regte Christian Wolf an, sich im Sinne eines gelebten Erfahrungsaustausches zu vernetzen. „Wenn Unternehmer von Unternehmern, wenn Unternehmen von Unternehmen lernen und ihre Erfahrungswerte austauschen, so bestehen gute Chancen, am russischen Markt erfolgreich zu agieren".

Der nordrhein-westfälische Maschinen- und Anlagenbau ist gut positioniert, um die Chancen im dynamischen russischen Markt zu nutzen, so das Fazit der Diskussionsrunde.

Gebhart, Peter
Gebhart, Peter