Digitalisierung ist kein technischer Knopf

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Digitalisierung ist in aller Munde. Doch wie steht es um die Umsetzung? Gerade mittelständische Maschinenbauer, viele von ihnen Hidden Champions, müssen heute ihre Geschäftsmodelle anpassen, um morgen noch im Weltmarkt mitzuspielen. Gibt es konkrete Hebel in der Digitalisierung, die Geschäftsmodelle wirklich verändern und Unternehmen wettbewerbsfähiger machen? Darüber diskutierten Experten und Industrievertreter auf der Branchenwerkstatt Maschinenbau von Dr. Wieselhuber & Partner (W&P) in Kooperation mit dem VDMA Nordrhein-Westfalen.

Prof. Dr. Tobias Kollmann, Beauftragter für digitale Wirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, verdeutlichte gleich zu Beginn: „Digitalisierung ist kein technischer Knopf in einem IT-System, den man so einfach drücken kann!“ Benötigt würde vielmehr ein „digitaler Kopf“, der elektronische Geschäftsmodelle und Prozesse aufbauen kann. Es geht darum, die Bedürfnisse der Kunden zum Dreh- und Angelpunkt zu machen, beispielsweise über Smart Data: „Nur wer gewonnene Daten intelligent vernetzt, kann daraus auch Mehrwert für den Kunden generieren – denn: Der Preis von Software und Services definiert sich über den Nutzen für eben diesen Kunden“, so Klaus-Herbert Rolf, Leiter Marketing und Sales der 365FarmNet GmbH. Dass die Digitalisierung enormes Potenzial für den deutschen Maschinenbau birgt, sehen dabei alle anwesenden Unternehmer: „Aus ihren Nischen heraus können sich Player unterschiedlichster Größe zu  Applikationsführern entwickeln und damit neue Erträge generieren“,  so der Leiter des Competence Centers Digitalisierung bei W&P, Oliver Völlinger.

Die Veränderungsdynamik, die die Digitalisierung in den operativen Unternehmens-funktionen mit sich bringt, ist dabei beträchtlich, bestätigt auch Siegfried Koepp, Vorsitzender der Geschäftsführung der EMG Automation GmbH am Beispiel des Vertriebs: „Vertriebsleute sind mit klassischen Produkten groß geworden. Intelligente, IP-gestützte Produkte nun mit zu verkaufen, verändert drastisch das Vertriebsprofil. Fachwissen der letzten 30 Jahre wird größtenteils irrelevant.“
 

Bildquelle : VDMA

Alt, Hans-Jürgen
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