Probleme bei Großraum- und Schwertransporten in NRW werden zum Standortnachteil

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Die zweite Sitzung des Gesprächskreises brachte Schwergutspezialisten und Hersteller zusammen. Das Ergebnis des Treffens am 17. September 2019 ist eindeutig: Die Probleme bei der Genehmigung und Durchführung von Großraum- und Schwertransporten gefährden inzwischen die Standorte des Maschinen- und Anlagenbaus.

Eine bundesweite Verbände-Initiative zu diesem Thema, der sich fast 40 Bundes- und Landesverbände angeschlossen haben, wird inzwischen durch länderbezogene Initiativen und deren Aktivitäten ergänzt. Dabei sind erste Erfolge zu verzeichnen: die Probleme mit der Durchführung von Großraum- und Schwertransporten werden bei Bund und Ländern ernst genommen und verschiedene Maßnahmen eingeleitet. Deren Umsetzung erweist sich allerdings als langwierig und die Teilnehmerdiskussion zeigt, dass manches „als gut gemeint aber schlecht gemacht“ eingeordnet wird.

Erfahrungsberichte von Schwergutspezialisten machen es konkret:

  • Die Vielzahl der beteiligten Behörden machen die Dauer des Genehmigungsverfahrens unkalkulierbar. Eine verbindliche Bearbeitungszeit ist bei den Behörden nicht mehr vorgesehen. Die mit einer Erlaubnis einhergehenden Auflagen werden oft als überzogen (Angstauflagen) und uneinheitlich empfunden. Ermessensspielräume werden nicht genutzt. Insgesamt werden das Genehmigungsverfahren und die Software VEMAGS als nicht zeitgemäß eingeschätzt. Die mangelnde Erreichbarkeit der Bearbeiter wird kritisiert.
  • Die marode Infrastruktur – allein in NRW sind 12 Autobahnen von Einschränkungen und Verboten betroffen – und die vielen Baustellen führen zu extrem verlängerten Transportwegen und -zeiten. Die Planbarkeit der Transporte ist nicht mehr gegeben, was gravierende Auswirkungen für die Maschinen- und Anlagenbauer nach sich zieht.
  • Eine Reihe konkreter Vorschläge zur Verbesserung des Genehmigungsverfahrens wurde im Rahmen des Gesprächskreises von den beiden anwesenden Schwergutspezialisten vorgestellt.


Diskussion:

  • Die Teilnehmer bekennen sich deutlich zum multimodalen Schwertransport, das heißt Nutzung auch des Binnenschiffs und der Schiene. Dies ist auch im Maschinenbau in der Mehrzahl die einzig gangbare Lösung, um Transporte überhaupt abwickeln zu können. Bestehende Routen zu den Umschlagsstellen sind häufig gefährdet und müssen aufwendig nutzbar gehalten werden.
  • Jedes Umladen auf ein anderes Verkehrsmittel erhöht aber auch die Kosten und die Zeiten deutlich, was gegenüber dem internationalen Wettbewerb häufig zu Nachteilen führt. Der Transport auf der Straße ist für den Maschinenbau daher häufig nicht ersetzbar, zumal in der Regel bei multimodalen Transporten Vor- und Nachlauf auf der Straße unerlässlich sind.
  • Planungssicherheit ist für die Industrie besonders wichtig. Die Standorte sind durch die bestehende problematische Situation gefährdet, Lieferfähigkeit und Kalkulierbarkeit sind nicht mehr gegeben.
  • Die anstehende Novelle der Straßenverkehrsordnung wird die Situation weiter verschlechtern. Die Pflicht zur Antragsstellung bei der Straßenverkehrsbehörde des Abfahrts- bzw. Abladeortes bringt weitere Verzögerungen. Die Vereinheitlichung der Gebühren wird zu deutlichen Erhöhungen führen.

Die „deutschen“ Probleme sind der meist internationalen Kundschaft häufig nicht vermittelbar.

Veranstalter

Die Veranstaltung wurde von ProduktionNRW angeboten. ProduktionNRW ist das Kompetenznetz des Maschinenbaus und der Produktionstechnik in Nordrhein-Westfalen und wird vom VDMA NRW durchgeführt. ProduktionNRW versteht sich als Plattform, um Unternehmen, Institutionen und Netzwerke untereinander und entlang der Wertschöpfungskette zu vernetzen, zu informieren und zu vermarkten. Wesentliche Teile der Leistungen, die ProduktionNRW erbringt, werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.