Maschinenbauer brauchen offene Märkte

Bundestagsabgeordneter Markus Töns (SPD) am 18. Juni 2019 im Gespräch mit Dr. Jan Olaf Petzold, Geschäftsführer von GHH Fahrzeuge GmbH aus Gelsenkirchen über die Bedeutung offener Märkte für den Maschinenbau.

Offene Märkte und freier Handel ohne Barrieren sind von entscheidender Bedeutung für die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus. Insbesondere global agierende mittelständische Betriebe, darunter auch die häufig zitierten „Hidden Champions“, sind auf einen funktionierenden Freihandel angewiesen. Nur so können sie eine starke Position im internationalen Wettbewerb einnehmen und einen wichtigen Beitrag für Arbeitsplätze und Wohlstand in ihrer Region leisten. Das haben das Unternehmen GHH Fahrzeuge aus Gelsenkirchen und der VDMA im Rahmen einer Betriebsbesichtigung gegenüber dem Bundestagsabgeordneten Markus Töns (SPD) betont.

„Wir entwickeln und produzieren unsere Fahrzeuge in Gelsenkirchen und haben eine Exportquote von über 70 Prozent. Die Freiheit des internationalen Waren- und Dienstleistungsverkehrs ist für unser Unternehmen und unseren Standort hier daher lebenswichtig“, sagte Dr. Jan Olaf Petzold, Geschäftsführer von GHH Fahrzeuge. Besonders die Sanktionen wie beispielsweise gegen Iran und Russland bereiten dem Unternehmen Probleme: „Die Politik ist sich, glaube ich, nicht bewusst, dass sie mit den Sanktionen zuallererst die eigenen exportorientierten Unternehmen schädigt.“

Unterschiedliche Regelwerke behindern den Mittelstand

Im Gespräch mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des Europaausschusses im Bundestag erläuterte das mittelständische Unternehmen, das am Stammsitz in Gelsenkirchen rund 210 Mitarbeiter beschäftigt, warum die „Hidden Champions“ mehr Einsatz der Politik für den Freihandel erwarten.

„Wir exportieren unsere Fahrzeuge weltweit. Damit sind vielseitige Anforderungen und komplexe technische Regelwerke verbunden, die den Export nicht immer einfach machen. Freihandelsabkommen sind vor diesem Hintergrund sehr wichtig, denn sie bauen sogenannte nichttarifäre Handelshemmnisse ab und machen uns somit wettbewerbsfähiger,“ erläuterte Petzold, dessen Unternehmen Spezialfahrzeuge für den Untertagebergbau und Tunnelbau fertigt.

„Die Europäische Union hat in den letzten Jahren wegweisende Abkommen verhandelt, etwa mit Kanada, Japan und Mexiko“, betont Markus Töns. „Wir unterstützen diesen Ansatz: Regelgebundener, freier Handel ist essenziell für unseren exportorientierten deutschen Mittelstand. Faire Handelsabkommen helfen uns außerdem, die Globalisierung nach unseren Regeln zu gestalten. Der Abbau von Handelshemmnissen und die Verankerung hoher Arbeits- und Sozialstandards gehören dabei zusammen. Diesen Ansatz werden wir auch weiterhin verfolgen.“ Mit Blick auf die europäische Außenpolitik stellte Töns fest, dass „auch Deutschland an internationale Verpflichtungen gebunden ist und wir völkerrechtswidrige Handlungen international entschieden entgegentreten müssen“.

Über 600.000 Arbeitsplätze im Maschinenbau vom Exportgeschäft abhängig

Ulrich Ackermann, Leiter der VDMA Außenwirtschaft, unterstrich die Bedeutung des Freihandels für den gesamten Maschinen- und Anlagenbau: „Der Maschinenbau aus Deutschland hat im Jahr 2018 Maschinen und Anlagen für 177,8 Milliarden Euro ausgeführt, die Exportquote liegt bei über 79 Prozent. Mehr als 600.000 Arbeitsplätze sind direkt vom Export abhängig. Daran wird deutlich, welch großen Stellenwert der Außenhandel für den industriellen Mittelstand hat.“

Hinzu komme, dass mittlerweile rund 35 Prozent des Exports in Länder mit hohen Einfuhrhürden gehe. „Freihandel braucht daher die klare Fürsprache in der deutschen Politik, denn es geht letztlich um Arbeitsplätze und Wohlstand in unserem Land. Protektionismus und Abschottung werden hingegen alle Marktteilnehmer im In- und Ausland zu Verlierern machen“, betonte Ackermann.