Kleben, damit es hält

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Kleben oder soll es halten?

Klebstoffe haben mittlerweile im Maschinen- und Anlagenbau einen festen Platz als Konstruktionselement eingenommen. Anders als klassische Fügeverfahren verändern sie das Werkstoffgefüge kaum und erlauben neue Konstruktionsmöglichkeiten. Über das Verbinden hinaus liefern sie weitere Funktionen wie Dichtigkeit, Korrosionsschutz, Dämpfung, Toleranzausgleich oder elektrische Isolation.

Einen Überblick über das Verfahren sowie dessen Vor- und Nachteile gab die von ProduktionNRW organisierte Veranstaltung „Klebetechnologien im Maschinenbau“ am 17. Juni 2015 bei Henkel in Düsseldorf. Nach einer Besichtigung der Klebstoffproduktion beim weltweit führenden Lösungsanbieter für Klebstoffe, Dichtstoffe und Funktionsbeschichtungen, tauchten die mehr als 60 Teilnehmer in medias res ein.

Kleben ist komplex

„Kleben wird immer dann benutzt, um einen teuren, hochwertigen Stoff punktgenau zu befestigen“, erläuterte Manfred Peschka, Abteilungsleiter Klebtechnische Fertigung beim Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) und ging auf die Vorgehensweise des IFAM bei Klebeprojekten ein: Auflistung möglicher Klebstoffsysteme, Komponententests mit Rankings, Auswahl eines passenden Klebstoffes, Entwicklung von Fertigungsprozessen für die Produktion gefolgt von Testläufen.

Er betonte, dass der in allen Belangen fachgerechte Einsatz von Klebstoffen selten zu Fehlern führe, sondern dass Probleme in 90 Prozent der Fälle auf Anwenderfehler zurückzuführen seien. „Kleben ist eine Hochtechnologie, die hohe Anforderungen an den Anwender stellt“, so Peschka.

Gut vorbehandelt – gut geklebt

Olav Schulz, Geschäftsführer der SLCR Lasertechnik GmbH erläuterte die Bedeutung der Oberflächenvorbehandlung mittels Lasertechnologie. Das Vorbereiten von Oberflächen wie Reinigen, Aktivieren, Aufrauen für nachfolgende Prozesse wie zum Beispiel Schweißen oder Kleben, ist unerlässlich für die Haltbarkeit und zuverlässige Haftfestigkeit der Klebeverbindung.

Wie Klebetechnologien im Konstruktionswettbewerb Formula Student bei der Technischen Hochschule Mittelhessen eingesetzt werden erläuterte Teamchef Jonas Deistler: „Unser Studentenwettbewerb hat das Ziel, das schnellste und effizienteste Rennauto zu bauen. Moderne Kleb- und Dichtstoffe übernehmen dabei zentrale Aufgaben in Fahrwerk, Chassis, Motor und Getriebe bei unseren Leichtbaurennwagen und sorgen für ein niedriges Gewicht.“

Die typischen Fügemethoden und Lösungen für hochfeste Verbindungen im Maschinenbau stellte Rudolf Neumayer von  der Anwendungstechnik Industrieklebstoffe Europa bei Henkel, anhand von Welle-Nabe-Verbindungen vor. „Dort, wo herkömmliche Methoden an ihre Grenzen stoßen, kann eine Klebetechnologie die richtige Lösung sein.“

Bildquelle : Hympendahl Fotografie

Möllemann, Klaus
Möllemann, Klaus