Industrie 4.0 – neue Perspektiven für den Produktionsstandort Deutschland

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Wie sich die Zeiten ändern: „The Sick Man of Europe" – so wurde Deutschland noch vor gut zehn Jahren von der britischen  Wochenzeitschrift „The Economist" betitelt. Festgemacht wurde dies an der Wachstumsschwäche und der starken Industriefokussierung unserer Wirtschaft, die damals als langweilig und perspektivlos galt. Heute treibt Deutschland das Wachstum in Europa und dient vielen anderen Ländern als Vorbild für eine Neuausrichtung ihrer Wirtschaft.

Doch die Herausforderungen auf den globalen Märkten werden nicht kleiner. Der Kostenwettbewerb gewinnt an Schärfe, die Technologie- und Produktzyklen verkürzen sich nochmals, die Kundenwünsche werden immer individueller und die Forderungen nach kurzfristiger Lieferung an nahezu jeden Punkt der Erde fast zur Selbstverständlichkeit.

Viele Hoffnungen liegen auf der Industrie 4.0. Kern ist die intelligente Vernetzung von Menschen, Maschinen und Werkstücken – und zwar über das Internet, weltweit und in Echtzeit. Aber, was kann Industrie 4.0 perspektivisch leisten und wie müssen – gerade mittelständische Unternehmen – heute agieren, um für eine solche intelligente Produktion von morgen gerüstet zu sein? Der VDMA NRW greift diese Fragen in seiner Veranstaltungsreihe „Auf dem Weg zu Industrie 4.0" regelmäßig auf und war am 11. Juni 2014 mit rund 100 Teilnehmern zu Gast bei der  Firma Gebr. Kemper GmbH & Co. KG in Olpe.

Vorreiterrolle bei Industrie 4.0

Die fünf Referenten zeigten sich in einem Punkt sehr schnell einig: Deutschland hat hervorragende Chancen, eine Vorreiterrolle beim Thema Industrie 4.0 einzunehmen und dadurch den heimischen Produktionsstandort weiter zu stärken. Dies gilt insbesondere auch für Nordrhein-Westfalen, wo es auf engstem Raum ein so erfolgreiches Miteinander von kleinen und großen Unternehmen gibt.

Eine festgelegte Route zur Umsetzung von Industrie 4.0 gibt es dafür allerdings nicht, denn zu unterschiedlich sind die technologischen Anforderungen und Marktchancen in den einzelnen Industriesegmenten. Wichtig ist es, die eigene unternehmerische Situation individuell zu analysieren und daraus mögliche Geschäftsmodelle abzuleiten – und zwar mit einem möglichst klaren Zeithorizont.

„Wagen Sie schnell die ersten Schritte und vernachlässigen dabei nicht das Thema IT-Sicherheit", lautete das Credo der Veranstaltung in Olpe.

Forschungskooperationen

Wirtschaft und Wissenschaft in NRW können dabei künftig auch im Rahmen von öffentlich geförderten Förderprogrammen das Thema Industrie 4.0 gemeinsam vorantreiben. Das Land Nordrhein-Westfalen wird seine künftigen EFRE-Leitmarktwettbewerbe entsprechend ausgestalten. Der erste Call erfolgt voraussichtlich um die Jahreswende 2014/2015 herum.

Gerade die Unternehmen des industriellen Mittelstandes können sich über solche Forschungskooperationen stark machen für den internationalen Technologiewettbewerb rund um die Industrie 4.0. Denn eines ist nach Meinung vieler Experten klar: Firmen, denen es rasch gelingt, Internettechnologien bedarfsgerecht in ihre Produktion zu integrieren, haben die besten Wachstumsperspektiven. Das gilt aber auch für die deutsche Wirtschaft insgesamt. Berechnungen der Unternehmensberatung McKinsey zufolge könnte unser Bruttoinlandsprodukt bis zum Jahr 2025 um über 200 Milliarden Euro wachsen, wenn es gelänge, beim Thema Industrie 4.0 Standards erste Standards zu setzen und umsatzstarke Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Kontakt
Dr. Roland Nolte
Tel. 0211 68 774828
roland.nolte@vdma.org

Bildquelle : SAP - VDMA