07.11.2013 – Exportfinanzierung u. Hermesdeckung für Einsteiger

29.11.2013 | id:2742168

Knapp 40 Teilnehmer der Veranstaltung zeigten, dass die Exportfinanzierung ein erklärungsbedürftiges Thema ist. Besonderes Interesse bei den Zuhörern fand die Möglichkeit, die staatliche Hermesdeckung nicht nur zur Absicherung von Exporten, sondern auch (unter Ausnutzung der Zinsdifferenzen vor allem zu Schwellenländern) als Zahlungsvehikel einzusetzen.

Niedriger Leitzins befeuert Exportfinanzierung
Ausländische Besteller interessieren sich verstärkt für eine hermesgedeckte Exportfinanzierung. Die Kunden fühlen sich vom niedrigen Euro-Leitzins von 0,25% angezogen, während in den Schwellenländern wie Russland und Brasilien der Leitzins acht bis neun Prozent liegt. Die realistischen Kundensätze liegen natürlich höher, in Schwellenländern im zweistelligen Bereich, für eine hermesgedeckte Finanzierung zwischen 6 und 10%, je nach der Hermes-Länderkategorie und Laufzeit. Auf dem VDMA Erfahrungsaustausch des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen „Exportfinanzierung und Hermesdeckung für Einsteiger“ bestätigten viele Teilnehmer diese Entwicklung. Immer öfter dient die staatliche Hermesdeckung nicht nur der Absicherung von Exporten, sondern auch als Finanzierungsvehikel.

Absatzfinanzierung unter einer Million
Hermesgedeckte Exportfinanzierungen gibt es auch für typisch mittelständische Auftragswerte, so Tanja Jaeger, zuständig für strukturierte Handelsfinanzierungen und Mittelfristgeschäft von der Commerzbank in Düsseldorf. Zwei Varianten bieten sich an, der hermesgedeckte Lieferantenkredit des Exporteurs oder der an den Besteller vermittelte hermesgedeckte Finanzkredit. Im ersten Fall gewährt der Maschinenbauer dem Importeur ein Zahlungsziel. Hier bahnt der Lieferant den Exportvertrag an und stellt den Hermesantrag, mit der refinanzierenden Bank wird ein Ankaufvertrag abgeschlossen. Voraussetzung ist eine gute Bonität des Kunden. Eine solche Finanzierung erfordert viel Abstimmungsbedarf mit der Bank und Hermes, so dass eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit allen Beteiligten erforderlich ist. Der Erfolg ist ein echtes Argument im Wettbewerb, denn der Kunde erhält eine Finanzierung, ohne seine lokalen Banklinien zu belasten, und dazu einen Zinsvorteil. Geeignet ist die Konstruktion für Auftragswerte ab ca. 250.000 Euro.

Bestellerkredite vermitteln
Anders sieht die Konstellation beim Hermesgedeckten Bestellerkredit aus. Hier muss der Auftragswert mindestens 500.000 Euro ausmachen. Es handelt sich um Bestellerkredite, bei der die Bank des Importeurs als Garant einbezogen ist. Sollte der Bestellerkredit direkt auf die Bonität des Kunden abgestellt werden, sind weit höhere Auftragswerte (5 bis 10 Mio. Euro nötig), da die deutsche Bank eine eigene Kreditprüfung leisten muss. Der große Vorteil: das Engagement des Maschinenbauers wird im Wesentlichen auf das eigentliche Liefergeschäft beschränkt; die Finanzierung wird der Bank überlassen. Ganz wichtig ist aber der Ablaufplan von der Strukturierung des Kredites (welche Laufzeiten, Konditionen und Besicherung) über die Vertragsgestaltung und die Festlegung der Auszahlungsvoraussetzungen für den Finanzkredit.

Hermesdeckung vom Fertigungsbeginn an
Kirstin Ulrike Hoeren Regionalleiterin Nord- und Westdeutschland für staatliche Hermesdeckungen zeigte auf, wie die Absicherung und Finanzierung von Exportgeschäften  mit Hilfe der Hermesdeckung funktioniert. Für die Abwicklung von Exportgeschäften in risikoreiche Märkte kann die Absicherung gegen wirtschaftliche und politische Risiken von der Fertigungsaufnahme bis zur vollständigen Bezahlung sinnvoll sein. Voraussetzung für die Indeckungnahme ist die Förderungswürdigkeit, einem Sammelbegriff, hinter dem insbesondere die Frage nach dem Ursprung der Waren aus Deutschland liegt, aber auch Anforderungen an die Umweltverträglichkeit und angemessene Zahlungsbedingungen stehen. Die Anforderungen an die Förderungswürdigkeit sind umso höher, je kritischer die risikomäßige Vertretbarkeit ist. Für Hochrisikoländer liegt z.B. der zulässige Anteil  an ausländischen Zulieferungen bei 10%, während er sonst bis 30% betragen kann. Hinsichtlich der Hermes-Produkte passen auf den Maschinen- und Anlagenbau insbesondere die Fabrikationsrisikodeckung, die Ausfuhrdeckung und eine Sammeldeckung für regelmäßige Lieferungen an bestimmte Kunden in Schwellenländern, die sogenannte APG.

Die Diskussion der fast 40 Teilnehmer zeigte, dass die Exportfinanzierung ein erklärungsbedürftiges Produkt ist. Das genaue Verständnis der Begrifflichkeiten im Hermesantrag wird immer wichtiger. Einige Firmen sind bereits mit hermesgedeckten Finanzierungen aktiv und berichteten ermutigend. Der Aufbau von Erfahrungen lohnt sich.

Autorin: Frau Dr. Susanne Engelbach, VDMA Frankfurt

 




 

Bildquelle : fox17 - Fotolia

Möllemann, Klaus
Möllemann, Klaus